Leverkusen: Dachlatten unter Hoch-Spannung

Leverkusen: Dachlatten unter Hoch-Spannung

In der Auseinandersetzung mit dem barocken Wasserschloss hat der Berliner Künstler Albrecht Schäfer neue Arbeiten speziell fürs Museum Morsbroich geschaffen, das zudem einen Querschnitt durch sein Werk zeigt. Eine große Rolle spielen Licht und Bewegung, Themen des Barock.

SCHLEBUSCH Am linken Rand der Eingangstür beginnt die Arbeit, die der Ausstellung den Titel "Ein Tag" gab. Eine Ausgabe der Zeitung "Die Welt" führt den Besucher durch alle Räume in beiden Etagen. Die aneinandergelegten Textzeilen sind aus der Entfernung als graue Linie auf der Höhe von 1 Meter 60 wahrzunehmen, die alles verbindet und zudem die Positionierung der anderen Arbeiten vorgibt.

Normalerweise ist das die Mittellinie beim Aufhängen der Bilder, hier hängt keines an der gewohnten Stelle, weil die ja bereits besetzt ist. Es geht nur drunter oder drüber oder auch beides. Die Entscheidungen traf Albrecht Schäfer etwa bei einer Fotoserie ganz pragmatisch nach inhaltlichen Vorgaben. Bilder, für die er die Kamera nach oben richtete, hängen über, die anderen unter der Teilungslinie.

Nur im Kleinen getestet

Die fertige Ausstellung präsentiere sich so leicht und klar, meint Kuratorin Dr. Stefanie Kreuzer. Aber mitunter sei es ganz schön aufregend gewesen, weil Schäfer zwar fertige Konzepte hatte, aber die Umsetzung vorher nur im Kleinen probieren konnte. Neben dem Phänomen Zeit setzte auch das Material Grenzen. Aber genau die reizt Schäfer gerne aus. Es sind alltägliche Materialien wie Zeitungspapier, Gips oder Dachlatten, die er für die Umsetzung seiner Ideen nutzt. "Bei mir sind die Kosten gering, dafür brauche ich mehr Manpower", räumt er ein. In Sachen Materialkunde habe sie viel gelernt in den vergangenen Wochen, so Kreuzer. Die beiden großen für den Ort entstandenen Arbeiten nutzen die Belastbarkeit von ganz normalen Dachlatten. Beide wurden ohne Schrauben und Nägel installiert, zwischen die Wände oder zwischen Decke und Parkett geklemmt, halten sie alleine durch die Spannung.

Ganz fragil, aber doch einen kompletten Raum in Besitz nehmend ist die so gebaute Riesenspinne, kompakt dagegen die raumhohe Tonne, die in der Raummitte aus leicht verdrehten Latten geformt wurde. Jede der Arbeiten nimmt die Gegebenheiten des Ortes auf, etwa die Stuck-Rosette als Maß. Und sie bezieht die je nach Wetterlage, Tageszeit und Sonnenstand wechselnden Lichtverhältnisse ein. Licht und Bewegung, die wichtigen Themen des Barock, ziehen sich auch konsequent durch das Schaffen Schäfers.

Gängige Begriffe nimmt er gerne wörtlich. Schwarzes Licht ist bei ihm eine schwarz gestrichene handelsübliche Lampe, die kein bisschen leuchtet. Dass sie angeschaltet ist, merkt nur, wer die Wärme fühlt. Zeitungen benutzte er mehrfach, formte die "Le Monde" eines Tages zu einer Weltkugel oder entleerte Zeitungsseiten bis auf das formale Grundgerüst und bestimmte Schlüsselwörter.

(RP)