Currenta-Teilverkauf – Lanxess-Aktionäre und Politik haken nach

Wirtschaft : Currenta-Teilverkauf – Lanxess-Aktionäre und Politik haken nach

Der Bayer-Konzern steckt in Verkaufsverhandlungen zu seinem 60-prozentigen Anteil an Chempark-Betreiber Currenta. Medienberichten zufolge sollen die Private-Equity-Firmen EQT und Macquarie interessiert sein, und ein Deal könnte in den nächsten Wochen schon stehen.

Kunststoffhersteller Covestro, der das Angebot des Chemparks nutzt, war nicht an der Übernahme der Bayer-Anteile interessiert. Konzernchef Steilemann sagte kürzlich im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir sind Nutzer, aber wir sind kein Chempark-Manager.“ Lanxess gehören die übrigen 40 Prozent an Currenta.

Aber eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft als Anteilseigner von Currenta – die Lanxess-Aktionäre trieb das Thema bei der Hauptversammlung am Donnerstag um. „Wie sehen die Pläne zu Currenta aus? ist das in Stein gemeißelt, dass Lanxess seine 40 Prozent behält? Wie gehen sie mit den Private-Equity-Interessenten um? Wann würden Sie schwach, doch zu verkaufen?“, fragte etwa Frederik Beckendorff von der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz). Lanxess-Chef Matthias Zachert will zum aktuellen Zeitpunkt die Currenta-Anteile behalten. „Als Eigentümer sind wir in die strategische Ausrichtung unseres Dienstleisters mit einbezogen.“ So könnte Lanxess sicherstellen, dass die Niederrhein-Standorte wie Leverkusen gut aufgestellt seien. Currenta müsse die industrielle Ausrichtung behalten. „Stand heute wollen wir Eigentümer bleiben. Aber wir schließen auch nichts aus.“ Sollte ein attraktives Angebot kommen, werde Lanxess es prüfen.

Auch in der Politik rumort es zum Currenta-Anteilsverkauf von Bayer. Jedenfalls bei der Linken. Die hatte  nach eigenen Angaben dazu bereits Ende vergangenen Jahres eine Anfrage an die Stadt gestellt. Im Kern interessiert die Linke, was unter einem neuen  Anteilseigner  mit der Deponie in Bürrig (gehört zum Entsorgungszentrum, das die Currenta betreibt) passieren wird. Dort „werden gefährliche Abfälle der höchsten oberirdischen Ablagerungsstufe III abgelagert. Des Weiteren ist sie mit Ausnahmegenehmigungen ausgestattet, die weit über genehmigte Ablagerungsstufen hinausgehen“, notiert die Partei. „Auch der Aushub aus den Eingriffsbereichen der A 1-Baustelle in der Altlast Dhünnaue wird schon zurzeit auf der Deponie Bürrig ,geordnet’ entsorgt.“ Der Aushub sei teils stark belastet. Die Ratsfraktion erwarte, dass bei der Stadt „mögliche Folgen des Verkaufs von Currenta und des (Mit)Verkaufs der Deponie Bürrig im Vorfeld thematisiert und öffentlich gemacht werden“. Und zwar noch bevor der Verkauf in trockenen Tüchern sei.

Die Stadt schickte am Freitag eine Antwort, die wenig erhellend für die Linke sein dürfte.  Die hatte unter anderem wissen wollen, ob die Deponie zum „Gesamtpaket Currenta“ gehöre, ob die Stadt Möglichkeiten habe, auf den Verkauf Einfluss zu nehmen, und ob die Verantwortung für die Nachsorge auf den Käufer überginge. Die Stadt musste passen, denn: Sie ist für die Deponie nicht zuständig, der Eigentümer könne „im Rahmen von Recht und Gesetz“ sein Eigentum veräußern.

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