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Covestro-Chemiker aus Leverkusen im Erfinderpreis-Finale

Für CO2-Forschung in Leverkusen : Covestro-Chemiker im Erfinderpreis-Finale

Für eine neue CO2-Technologie steht Christoph Gürtler zusammen mit Walter Leitner (RWTH Aachen) in der Endrunde auf europäischer Ebene.

Christoph Gürtler steht schon wieder im Finale. Diesmal nicht mehr auf nationaler Ebene, sondern auf europäischer. Das Europäischen Patentamt (EPA) hat die Nominierung des Covestro-Chemikers zusammen mit Walter Leitner (Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion und RWTH Aachen) als Finalisten in der Kategorie „Industrie“ des Europäischen Erfinderpreises 2021 nominiert. Und zwar „für ihre Rolle bei der Entwicklung einer neuen Technik zur Verwendung von Kohlendioxid (CO2)“, meldet der Leverkusener Konzern. „Die Technologie ermöglicht es, das schädliche Klimagas CO2 als wertvollen Rohstoff für nachhaltige Kunststoffe zu nutzen. Ihr Verfahren verwendet chemische Katalysatoren, um Reaktionen zwischen CO2 und einem herkömmlichen Rohstoff anzutreiben. Dabei entstehen sogenannte Polymere auf nachhaltigere und wirtschaftlich tragfähige Weise.“

Genau dafür, nämlich die Umwandlung des Treibhausgases in einen Rohstoff, saß Gürtler Ende 2019 beim ZDF auf dem Sofa. Neben ihm a) Moderator Dirk Steffens, der an sich runterblickend frohlockte: „Klimasocken aus Gürtlers CO2“, weil die Socken zu einem gewissen Prozentsatz aus CO2 bestanden, und b) Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Covestros CO2-Technologie gehörte damals schon in die Endrunde um den Zukunftspreis des Bundespräsidenten. Gewonnen hat ein anderes Projekt.

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Dennoch: Für Covestro war’s eine Bestätigung für die Forschungsarbeit. Denn an dem Thema haben sich schon ganz andere versucht. Es sei eine uralte Idee der Chemie, so Gürtler, der die Forschungs- und Produtentwicklungsgruppe leitet, die sich intensiv mit dem Thema befasst. „In den 1960er Jahren gab es Versuche, die gescheitert sind, in den 1980ern gelang es besser, aber war industriell nicht umsetzbar.“ Auch Bayers Kunststoffsparte BMS, das heutige Covestro, griff die Idee auf, arbeitete und arbeitet immer noch unter anderem mit Fachleuten der RWTH Aachen zusammen. 2008 kam der Durchbruch im Labor.

Mittlerweile gibt es bereits Schaumstoffmatratzen mit CO2-Anteil. Der Konzern forscht an weiteren Einsatzmöglichkeiten – von Medizinprodukten bis zur Tartanbahn. Für Covestros Ziel, auf Kreislaufwirtschaft umzustellen, ist diese Technologie ein Meilenstein. „Die Kunststoffindustrie kann mit der Umstellung auf eine treibhausgasneutrale Produktion zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen. Dafür müssen wir vom Erdöl wegkommen und alternative Rohstoffe wie CO2 nutzen“, sagt Covestro-Chef Markus Steilemann. Oder Kurz: „Ein echtes Nachhaltigkeits-Highlight“, ergänzt der Vorstandsvorsitzende.

„Diese Nominierung ist eine wichtige Bestätigung unserer Bemühungen um eine nachhaltigere Chemie. Sie zeigt, wie entscheidend Patente für den Entwicklungsprozess einer Technologie sind“, sagt Christoph Gürtler. „Es ist eine große Ehre, stellvertretend für das interdisziplinäre Team aus Produktforschung, Prozessentwicklung, Marketing und den vielen anderen Köpfen hinter der Erfindung bei der Preisverleihung dabei zu sein.“

Da wird Gürtler ein Déjà-vu-Erlebnis haben: Denn wie beim Bundespräsidenten-Preis tritt er am 17. Juni – digital – gegen zwei weiter Finalisten an. Der Erfinderpreis des Europäischen Patentamtes zeichnet herausragende europäische Erfinder und Teams aus. Und auch dabei dürfte gelten, was Moderator Steffens 2019 anmerkte: „Wer hierfür nominiert ist, der ist schon ein Gewinner.“