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Corona-Krise: Karl Lauterbach warnt vor Folgen für Leverkusen

SPD-Gesundheitsexperte : Karl Lauterbach warnt vor Corona-Folgen - „Da braut sich ein Sturm zusammen“

Der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach hat die Leverkusener Bevölkerung eindringlich davor gewarnt, die gesundheitlichen Folgen der Corona-Pandemie zu unterschätzen.

Zugleich malt er ein finsteres Zukunftsbild von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise. „Das ist ein Sturm, der sich da aufbaut“, sagt er.  „Wir haben es hier mit etwas zu tun, was mit einer herkömmlichen Grippe nicht vergleichbar ist“, sagte der Medizinprofessor und Virologe am Mittwoch in einem telefonischen Pressegespräch. Gerade jüngere Menschen glaubten an einen ähnlichen Verlauf wie bei einer Grippe, und dass es ausreiche, ausschließlich Risikopatienten zu isolieren. „Davor will ich warnen“, sagte Lauterbach.

Es sei vielmehr so, dass auch jüngere Infizierte mit nur leichten Symptomen damit rechnen müssten, dass ihre Lungen nachhaltig geschädigt würden. Das hätten jüngste Untersuchungen gezeigt. „Wir haben selbst bei leichten Verläufen keinen Grund anzunehmen, dass es harmlos ist.“ Der Mediziner mit Lehrstuhl in Harvard beruft sich dabei auf einen laufenden internationalen Austausch mit Fachkollegen. „Die Erkrankung wird komplett unterschätzt“, sagt er.

Bei einer herkömmlichen  Grippe liege die Sterblichkeitsrate im Promillebereich. Das bedeute, etwa einer von 1000 überlebe die Infektion nicht. Bei Covid 19 sei die Sterblichkeitsrate mit einem halben Prozent weit höher, demnach sterbe jeder 200. Infizierte. Auch gebe es bei Coronainfektionen, anders als bei einer Grippe, keine Teilimmunität in der Bevölkerung, etwa durch vorherige Infektionen. „Wer erkrankt, ist völlig schutzlos.“

Leverkusen sei wegen seiner hohen Feinstaubbelastung und der daraus folgenden hohen Lungen-Belastungen  der Bevölkerung besonders gefährdet. „Wenn wir das Gesundheitssystem nicht überfordern wollen, müssen wir unser persönliches Verhalten ändern.“ Auch jüngere und mittlere Altersgruppen seien akut gefährdet. Lauterbach: „Wenn wir die Lage in den nächsten zehn Tagen nicht in den Griff bekommen, werden Ausgangssperren unumgänglich sein.“     

Lauterbach hält es für wenig wahrscheinlich, dass ein Impstoff bis zum Herbst gefunden wird. „Das geschieht wohl eher in einem Jahr.“ Im besten Fall, dabei bezieht sich Lauterbach auf den amerikanischen Virologen Marc Lipschitz, werde sich die Ausbreitung bis zum Herbst verlangsamen. Weniger als zehn Prozent würden bis dahin infiziert sein, das wären acht Millionen Meschen und bei einer Sterblichkeit von einem halben Prozent 40.000 Tote, rechnet der Mediziner vor. 

Ob es so kommt, hänge  aber davon ab, „ob die Bevölkerung begreift, wie ernst es ist“. Auch müsse „drakonisch eine komplette Isolation“ betrieben werden. Aus wirtschaftlichen Gründen sei eine Ausgangssperre bis zum Herbst nicht durchhaltbar. „Sie muss teilweise gelockert werden.“ Wirtschaftlich müsse das Land von seinen Reserven leben. „Ich rechne mit einer langen Phase der Rezession“, sagt der SPD-Politiker. „Wir laufen auf eine Bankenkrise zu, die eine Währungskrise zur Folge haben könnte.“