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Claudia Desgranges zeigt Ausstellung in Schloss Morsbroich

Ausstellung von Claudia Desgranges : Das Phänomen Zeit als Streifen

Claudia Desgranges zeigt ihre Werke ab heute in den Remisen von Schloss Morsbroich.

Andere Menschen halten wichtige Ereignisse in einem Tagebuch fest. Das Medium von Claudia Desgranges ist allerdings nicht die Schrift, sondern Farbe. Deswegen streicht sie abends die Farbreste aus den Pinseln auf ein Blatt, um die wesentlichen Eindrücke der letzten Arbeitsstunden aufzuheben. Später bindet sie diese Seiten zu Farbtagebüchern, von denen inzwischen etliche existieren. Ein Exemplar hat sie zur Ansicht in den Räumen des Kunstvereins Leverkusen ausgelegt, wo ab heute ihre Ausstellung „zeitstreifen + composite paintings“ zu sehen ist.

Die abfotografierten Seiten werden im 20-Sekunden-Rhythmus auf die Wand projiziert als Ergänzung zu einem Film, der sich daneben im Dauerloop wiederholt. In beiden hier kombinierten Arbeiten geht es, genau wie in den übrigen Bildern dieser Schau, um das Phänomen Zeit. Viele bewegte Augenblicke hat die Künstlerin scheinbar wahllos aneinander gereiht. Es sind Momente, die sie in der Stadt, auf Reisen oder in der Natur eingefangen hat und die für jeden Betrachter individuell einen anderen Zusammenhang, eine andere Bedeutung ergeben.

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Früher habe sie ganz konventionell mit Ei-Tempera auf Leinwand gemalt, erzählt Claudia Desgranges vor ihren „Zeitstreifen“ und „composite paintings“. Doch irgendwann war sie so unzufrieden mit der stark sichtbaren Struktur des Leinens unter der dünnflüssig angerührten Farbe, dass sie mit anderen Untergründen wie Holz oder Glas experimentierte. Aluminiumplatten erwiesen sich schließlich als ideales Material, um ihre Vorstellungen umzusetzen.

Für die fast monochromen Bilder, auf denen Pinselstriche deutlich als Linien oder Wellen sichtbar werden, genauso wie für ihre „Zeitstreifen“, die eine Abfolge in ab-
strakte Farbstriche übersetzen. Pigmente, die sie selbst mit Acrylbinder versetzt seien viel differenzierter als fertige Farben, erklärt Claudia Desgranges beim ersten Rundgang durch die Remisen von Schloss Morsbroich.

Bei machen der schmalen, langen Aluminium-Streifen hat sie den Malgrund im Urzustand belassen. Da spiegeln sich zwischen den Farbaufträgen Raum, Licht, das Grün vor den Fenstern und der Betrachter selbst, so dass sie zusätzliche Streifen in das Bild einbringen, die sich aber mit jedem Schritt verändern. Das Phänomen der Bewegung und  des Vorübergleitens vermitteln alle diese „Zeitstreifen“, in denen die Außenwelt verdichtet und auf Farbfolge reduziert wird. Geradeso wie beim Blick aus einem in schnell fahrenden Zug, wo das Auge die einzelnen Bilder nicht mehreinzeln erfassen kann, so dass sich alles zu Farbschlieren vermischt.

Für solche Schlieren hat Claudia Desgranges besonders auf jenen Alu-Bildern gesorgt, die sie gebürstet hat, um die einzelnen Farbaufträge teils miteinander zu vermischen. Überhaupt haben die Streifen nie exakt gezogene, sondern immer ausgefranste Ränder, die an Nadelstriche eines engen Kurvendiagramms erinnern. An den Kopfseiten des Eingangsraumes hat die Gastkünstlerin zwei Installationen mit Arbeiten aus verschiedenen Serien zu jeweils einer Einheit zusammengeführt.