Leverkusen: Christen, Buddhisten und Muslime tauschen sich aus

Leverkusen : Christen, Buddhisten und Muslime tauschen sich aus

Der Rat der Religionen Leverkusen diskutierte über die Heiligen Schriften der verschiedenen Glaubensrichtungen.

Unter dem Titel "Verstehen und genießen" hat der Rat der Religionen Leverkusen über Heilige Schriften diskutiert. Auch der Evangelische Kirchenkreis Leverkusen, dem Langenfeld und Monheim angehören, nahm daran teil. Dabei wurde deutlich: Die im genannten Gremium vertretenen Gemeinschaften lesen und lieben ihre Heiligen Schriften.

Foto: Kirchenkreis

So sind in den buddhistischen Schriften Worte des Buddha (563-482 v. Chr.) überliefert. Seine Schüler haben sie aufgeschrieben. Buddhistische Konzilen haben die Zusammenstellung der Lehrreden beschlossen. Sie bestehen aus philosophischen Texten und Regeln für Mönche und Nonnen. "Es ist aber kein heiliger Text", erklärte Marion Genrai Lukas, ordinierte buddhistische Nonne und Vorsitzende des Vereins Zaltho Sangha, einer japanischen ZEN-Richtung. "Reflektiere die Texte für dich selbst", riet sie.

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Über die heiligen Schriften der Christen informierten Schulpfarrerin Gerlinde Anders (Ev. Kirchenkreis Leverkusen), der katholische Stadtdechant Heinz-Peter Teller und Priester Stefan Vis (Neuapostolische Kirche Opladen). Einig waren sie sich, dass der erste Teil der christlichen Bibel vom Judentum übernommen ist. Tora, prophetische Bücher und Schriften bilden das Alte Testament der Christen.

"Die Bibel hat für uns Christen enorme Bedeutung", sagte Priester Vis, "in jedem Gottesdienst, in jeder Predigt ist sie Ausgangspunkt für die Verkündigung." Die meisten Priester, auch Stefan Vis, sind Laienprediger und erhalten von der Neuapostolischen Kirche für ihren Dienst Leitgedanken mit Bibelauslegungen, an denen sie sich bei der Verkündigung im Gottesdienst orientierten. In der neuapostolischen Kirche werde die Bibel wortwörtlich ernst genommen. Da in biblischer Zeit nur Männer Amtsträger der christlichen Kirche gewesen seien, habe die wörtliche Auslegung zur Folge, dass dies auch heute in der neuapostolischen Kirche so sei.

"Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen", betonte Stadtdechant Teller, daher kann sie als "Gotteswort im Menschenwort" in jede Sprache übersetzt werden und muss in jeder Zeit ausgelegt werden. Die biblischen Texte sind zwischen 1000 v. Chr. und 130 n. Chr. entstanden durch mündliche, dann schriftliche Überlieferung. Heute, so Teller mit Worten des Vaticanums II., sei der "Tisch des Wortes Gottes reich gedeckt".

Auch Pfarrerin Gerlinde Anders, die an der Rheindorfer Käthe-Kollwitz-Gesamtschule evangelische Religion unterrichtet, erklärte, dass die Bibel wie literarische Texte analysiert werde. Eine wortwörtliche Auslegung nehme die Bibel nicht ernst. Sachgerechte Auslegung müsse das Vorverständnis offenlegen. Der Prozess des Verstehens setze an der "Mehrdeutlichkeit" der Bibel an und sei eine immerwährende Aufgabe. In ihrer persönlichen Bibel hat Gerlinde Anders viele Stellen angestrichen und mit Anmerkungen versehen. "Mein Vater hat sie für mich in Leder eingebunden, und sie ist zum Teil meiner Lebensgeschichte geworden."

Ähnlich begeistert zeigten sich Imam Muhamed Mermari und Ismalj Memishi (Rat der Islamischen Gemeinschaften Leverkusen) von ihrer Heiligen Schrift, dem Koran. Die 114 Suren enthalten nach ihren Worten das unverfälschte Wort Gottes, das bis zum Jüngsten Tag seine Gültigkeit behält. Für Muslime sei der Koran Zusammenfassung und Überbietung aller heiligen Bücher, auch der Juden und Christen. Er enthält Regeln und Gebote, wie man Gutes tun und Schlechtes vermeiden könne. Den Koran immer wieder zu lesen, werde nie langweilig. Imam Mermari: "Genieße es!"

(RP)
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