Leverkusen: Christel Neudeck: "Trotz Anfeindung hält man durch"

Leverkusen : Christel Neudeck: "Trotz Anfeindung hält man durch"

Der Schriftsteller Günter Grass beschrieb sie einst als Frau, die fest davon überzeugt sei, die Welt bewegen zu können. Dieser Meinung sei sie tatsächlich, betonte Christel Neudeck, als sie zur Lesung in die Opladener Buchhandlung von Heike Noworzyn gekommen war. Wer Dinge einfach hinnehme, habe schon verloren, betonte die 75-Jährige vor rund 40 aufmerksamen Zuhörern. Mit Ehemann Rupert Neudeck und Freunden wie Nobelpreisträger Heinrich Böll hatte sie 1979 den gemeinnützigen Verein Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte gegründet. Weltweit bekannt wurde die Organisation, als sie 11.300 vietnamesische Bootsflüchtlinge - so sogenannte Boat People - aus dem Chinesischen Meer rettete.

Den größten Teil des Abends gestaltete Neudeck mit spannenden Erzählungen. Ehe sie Stellung zur aktuellen Flüchtlingswelle bezog, erinnerte sie an die Anfänge der Rettungsaktion an Bord des zum Hospital umgebauten Schiffes "Cap Anamur". Nicht zuletzt las sie ein Kapitel aus dem Buch "Was man nie vergessen kann". Darin beschreiben vietnamesische Flüchtlinge, warum sie ihr Leben riskierten, berichten von Stürmen, Hunger, Durst und Überfällen durch Piraten. Und von ihrer Ankunft in Deutschland. "Sie fanden es zum Beispiel ganz schlimm, dass hier so viele Kartoffeln gegessen werden", erzählte Neudeck lächelnd. Mittlerweile würden diese Vietnamesen als Beispiel für gelungene Integration gelten. Insofern sei das Buch nicht nur schrecklich, "sondern wichtig, damit man versteht, warum sie so dankbar sind. Im Grunde müssten wir uns bei ihnen bedanken, dass sie sich so stark in die Gemeinschaft einbringen."

Allerdings hätten diese Flüchtlinge einen wesentlichen Vorteil gehabt: "Sie wussten, dass sie bleiben dürfen." Sie selber habe mit ihrem Mann einen 18-jährigen Flüchtling aus Afghanistan zu Hause aufgenommen und darauf bestanden, dass er zur Schule gehe und durchhalte. Inzwischen habe er eine Ausbildung als Elektroniker begonnen, erhalte aber das gleiche Geld wie jemand, der nichts tue. "Das muss man doch unterscheiden", protestierte Neudeck. Sie plädiere nicht für Barmherzigkeit, sondern für Problemlösung. Nur die sollten bleiben dürfen, die gewisse Regeln erfüllen und sich in die Gesellschaft einbringen.

An Vereinsvorsitzenden Werner Strahl gerichtet schloss sie mit den Worten: "Ich bin glücklich, über die fantastische Arbeit, die noch heute geleistet und das zu Ende gebracht wird, was Rupert angefangen hat." Für ihr Tun sei sie häufig angefeindet worden. "Aber wenn man sich engagiert und wenn es Freude macht, hält man durch."

(gkf)