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Leverkusen: Chempark fährt die Zukunft hoch

Leverkusen : Chempark fährt die Zukunft hoch

Das ehemalige "Bayerwerk" in Wiesdorf, der Chempark, entwickelt sich weiter zu einem attraktiven, multinationalen Unternehmensstandort. Derzeit verbessert der Chempark seine Logistik, etwa die Zusammenarbeit mit der Bahn.

Hightech in einem mehr als 100 Jahren alten Gebäude — das ist möglich, weil die Substanz des Baus massiv ist. So präsentiert Robert Gnann stolz die gerade angelaufene Produktion von hochwertigen Materialien für den Silikon-, Quarz- und Keramikmarkt. Gnann ist Geschäftsführer der Momentive GmbH und Leiter des Geschäftsbereichs Elastomere des US-amerikanischen Chemieunternehmens. Weil diese Produkte in der Automobil- und Gesundheitsindustrie so gefragt sind, suchte das Unternehmen nach einem passenden Produktionsstandort — und wurde im Leverkusener Chempark fündig.

Dabei halfen auch alte Verbindungen; denn Gnann war zuvor schon Leiter eines Geschäftsbereichs bei Lanxess und hatte bei Bayer leitende Positionen hauptsächlich im Bereich Produktion inne. Dann wurde auch das alte Gebäude von DyStar frei; die ehemalige Bayer-Beteiligung hatte die Herstellung von Textilfarben aufgegeben, die gesamte Produktion wurde nach Indien verlegt. Nachdem das Gebäude E 13 an der B 8 völlig "chemiefrei" gereinigt war, meldete Momentive Interesse an und will hier bis zu 10 000 Tonnen Silikon-Spezialitäten jährlich herstellen.

Ernst Grigat, Leiter des Chemparks, sieht das als ein Beispiel dafür, wie der Chemiestandort lebt und sich entwickelt. In diesem Jahr werden rund 374 Millionen Euro für Investitionen und Instandhaltungsmaßnamen allein im Chempark-Standort Leverkusen ausgegeben. "Dieses Ergebnis ist ein gutes Fundament für die Beschäftigung und Zukunft des Standorts", betont Grigat. Neben Momentive haben sich auch Firmen wie Kronos, Tanatex, Spraytec, Blankophor und F.A. Kruse im Chempark entlang der B 8 in den Gebäuden der ehemaligen Farbstoffbetriebe von Dystar angesiedelt.

Als Gnann auf der Suche für den geeigneten Produktionsort für seine Silikone war, erkannte er schnell die Verbundstruktur als Stärke des Chemparks, wodurch die Versorgung mit Energien, Rohstoffen und Produkten schon mal gewährleistet war: "Wir mussten keine aufwendigen Investitionen in neue Gebäude vornehmen, das war schließlich schon vorhanden." So kann jetzt zügig die Fertigung hochgefahren werden.

Momentive bezeichnet sich als weltweit führenden Anbieter von Spezialchemikalien und ist umsatzmäßig (7,4 Mrd. US-Dollar) etwas kleiner als Lanxess, verfügt weltweit über 117 Produktionsstätten und bedient Kunden vor allem in der Automobilindustrie, im Baugewerbe, in der Elektronik und der Energiebranche.

Wenn Gnann die gute Infrastruktur in Leverkusen anspricht, denkt er dabei auch an die Verbesserungen, die Chempark-Chef Grigat noch vorhat. Neben dem bereits Mitte September in Betrieb genommenen neuen elektronischen Stellwerk für die Zug- und Rangierstraßen, wobei Containerzüge jetzt direkt unter einen Brückenkran fahren können, soll die Anbindung an das Stellwerk der Deutschen Bahn in Köln-Mülheim folgen und das eigene Stellwerksgebäude modernisiert werden. Zudem wird der Bau eines neuen Dükers (Tunnels) unter dem Rhein nach Merkenich zur Verbesserung der Anbindung mit den linksrheinischen Fernleitungsnetzen in Angriff genommen.

Auch andere Unternehmen planen umfangreiche Verbesserungen. Das Schweizer Energieunternehmen Repower hat den Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes mit einer Leistung von 550 Megawatt vor. Lanxess gibt für den Ausbau seines Geschäfts mit Produkten für die Wasseraufbereitung zehn Millionen aus, die Lanxess-Tochter Saltigo bis zu 100 Millionen für das Geschäft mit Agrowirkstoffen. Und Bayer MaterialScience hat seine Lagerkapazität mit zwei Großtanks und 30 Großbehältern verbessert.

(sg-)