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Chempark: Ergebnis der Umweltanalyse nach Explosion in Leverkusen

Explosion in Leverkusen : Umweltamt gibt Entwarnung für Schadstoffbelastung nach Chemieunfall

Die Rußpartikel, die nach der Explosion eines Tanklagers im Leverkusener Chempark niedergingen, sind nach vollständiger Analyse des Landesumweltamts nicht mit Schadstoffen oberhalb von Grenzwerten belastet. Spielplätze können wieder freigegeben werden.

Neun Tage nach der verheerenden Explosion im Tanklager der Abfallverbrennungsanlage des Chempark hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) am Donnerstag die vollständigen Ergebnisse einer Analyse der Rußpartikel vorgelegt, die teilweise auch auf Wohngebiete niedergegangen waren. Demnach sind die Befunde weitgehend unauffällig

„Pflanzen- und Bodenproben aus der näheren Umgebung des Brandereignisses in der Sondermüllverbrennungsanlage der Firma Currenta wurden auf über 450 verschiedene Bestandteile von Agrarchemikalien untersucht. Die Analysen ergaben keine relevanten Konzentrationen und keinerlei Grenzwertüberschreitungen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Ergebnisse ließen den Schluss zu, dass „auch auf anderen Flächen im privaten wie im gewerblichen Bereich keine relevanten Einträge derartiger Stoffe durch das Schadensereignis stattgefunden haben“.

 Rußflocken dieser Größe sind in einem Garten in Bürrig niedergegangen.
Rußflocken dieser Größe sind in einem Garten in Bürrig niedergegangen. Foto: Uwe MIserius

 Die Ergebnisse deuten laut Lanuv darauf hin, dass die einzelnen Bestandteile der Agrarchemikalien aus den Tanks durch den unmittelbar nach der Explosion einsetzenden Brand fast vollständig zerstört wurden. „In der Explosionswolke befanden sich damit nur geringe unverbrannte Anteile der freigesetzten Stoffe, die durch die Thermik des folgenden Brandes in größere Höhen getragen wurden und sich bei der weiteren Verbreitung stark verdünnten.“

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Auf Grund der Gesamtlage geht das Umweltamt derzeit von einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit aus, „dass es außerhalb des Werksgeländes nicht zu einem relevantem Stoffeintrag kam.“ Daher wird im Bericht an die Bezirksregierung empfohlen, dass die zuständigen Behörden die aktuellen gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen weitgehend aufheben können. Obst und Gemüse ist wieder zum Verzehr freigegeben, sollten aber vor dem Verzehr gewaschen oder geschält werden. Auch eine Nutzung von Futterflächen – etwa durch Weidetiere – ist wieder möglich. Sofern eine Reinigung von Rußniederschlag auf Flächen und Gegenständen erforderlich ist, sollte mit viel Wasser gut abgespült und mit Seife gereinigt werden. „Da die Rußpartikel einen hohen Säuregrad aufwiesen, bitte beim Reinigen Handschuhe nutzen und diese, ebenso wie Reinigungstücher, anschließend im Restmüll entsorgen. Wasser aus Regentonnen sollte vorsorglich in der Kanalisation entsorgt werden“, empfiehlt das Lanuv. Das Wasser in Swimmingpools sollte ausgetauscht oder komplett durchgefiltert werden. Die Nutzung von Spielplätzen könne ebenfalls wieder freigegeben werden, sobald alle Säuberungsmaßnahmen durchgeführt wurden.

Meldungen, dass sich durch die Rußpartikel Verfärbungen an Rasenflächen zeigten, hätten sich als Pilzinfektion erwiesen.

In einer ersten Analyse hatte das Umweltamt Ruß- und Staubrückstände auf Dioxin und dioxinähnliche Stoffe untersucht und eine nur geringe Schadstoffbelastung festgestellt. Eine breitete Untersuchung war möglich und notwendig geworden, nachdem der Betreiber Currenta drei Tage nach dem Unglück den Behörden eine vollständige Liste der Inhaltsstoffe der Tanks übergeben hatte. Diese lange Frist hatte für Unverständnis und Kritik an Currenta gesorgt.

Nach der Explosion dreier Tanks hatte sich am 27. Juli eine riesige dunkle Rauchwolke entwickelt, die über weite Teile Leverkusens und angrenzende Städte und Gemeinden hinweg gezogen war. Bewohner hatten teilweise bis zu sechs Zentimeter große Rußklumpen auf Straßen und in ihren Gärten gefunden.

Von einem vermissten Arbeiter fehlt weiterhin jede Spur. Die Ermittlungen am Explosionsort verlaufen schleppend. Wegen Einsturzgefahr war es den Brandermittlern der Kripo aus Sicherheitsgründen bisher nicht erlaubt, zum Kern des Brandorts vorzudringen. „Einen Zeitpunkt, wann der unmittelbare Explosionsort freigegeben werden kann, vermag ich derzeit nicht konkret zu bezeichnen“, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Köln am Donnerstag.

Im Einvernehmen aller Beteiligten, insbesondere nach Absprache mit den Sachverständigen und den Ermittlungsbehörden, sei ein technisches Bergungskonzept verabschiedet worden. „Hierdurch soll zum einen die Unfallstelle weiter abgesichert, zum anderen die Suche nach (dem) weiteren Vermissten systematisch fortgesetzt werden.“ Aktuell seien zwei Teams von Sachverständigen im Einsatz, „deren Fachgebiet jeweils die Ermittlung von Brand- und Explosionsursachen ist. Eines der Teams wurde von den Ermittlungsbehörden beauftragt.“ Zudem begleiten Fachleuten des Landeskriminalamtes und des Lanuv die Ermittlungen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Explosion. 

Am Dienstag hatten Bergungstrupps ein weiteres Todesopfer gefunden und identifiziert. Insgesamt sind nun mindestens sechs Menschen bei der starken Explosion in der Verbrennungsanlage ums Leben gekommen.

 Vor der Currenta-Zentrale (Chempark, Gebäude E 1) ist nun ein öffentlich zugänglicher Trauerort eingerichtet, an dem Menschen Blumen ablegen, Kerzen aufstellen und in stiller Trauer der Verstorbenen gedenken können.