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Chef von Bayer Leverkusen entschuldigt sich auf Hauptversammlung

Hauptversammlung : Proteste gegen Bayer – Baumann entschuldigt sich für Info zu Jobabbau

Baumann bereut bei Hauptversammlung in Bonn öffentlich Info-Politik gegenüber den Mitarbeitern. Massive Kritik an Vorstand und Aufsichtsrat.

Bayers Aufsichtratschef Werner Wenning wusste, was die Stunde geschlagen hat: „Dieses ist keine Routine-Hauptversammlung, Bayer hat starke Kursverluste hinnehmen müssen, das bedauern wir sehr“, sagte Wenning zum Auftakt des Aktionärstreffens in Bonn. Doch seine Entschuldigung macht die Kursverluste nicht ungeschehen: 40 Prozent hat die Aktie seit August 2018  verloren, als der Konzern erstmals wegen des Unkrautvernichters Glyphosat zu Schadenersatz verurteilt wurde.

Und so ging es im World Conference Center, zu dem 3600 Aktionäre gekommen waren, hart zur Sache. Während vor der Tür, wie bei Bayer üblich, Umweltschützer demonstrierten, machten im Saal die Aktionäre ihrem Zorn Luft. Stundenlang prasselte auf Aufsichtsrat und Vorstand Kritik ein – wegen der Monsanto-Übernahme, wegen Glyphosat, wegen des Kursverfalls und wegen des Jobabbaus. 

Wer bei Bayer arbeite, müsse sich heute vor Familie und Freunden dafür rechtfertigen, kritisierte Gudrun Beumann, Aktionärin und Betriebsrätin. Das sei früher anders gewesen. Zugleich kritisierte sie die Art, wie der Vorstand im November den Stellenabbau angekündigt hatte. Bayer hatte damals den Abbau von 12.000 seiner 118.000 Stellen und die Schließung der nagelneuen Pharmafabrik für das Blutermedikament Faktor 8 in Wuppertal verkündet. Zu Wuppertal habe es nur einen lapidaren Zweizeiler gegeben, obwohl die innovative Fabrik zuvor hochgelobt worden sei. „Die Mitarbeiter wurden total allein gelassen. Auch Führungskräfte waren ahnungslos, viele hatten Tränen in den Augen.“  Nun solle die Fabrik noch vor der Inbetriebnahme am 30. September endgültig eingemottet werden. „Das ist nicht Bayer-like.“

Konzern-Chef Werner Baumann gab sich reumütig. „Es tut mir leid, wie Sie erfahren haben, was mit dem Standort passiert“, antwortete er. „Es ist nicht gelungen, die Mitarbeiter in adäquater Form zu informieren.“ Wegen der Kürze der Zeit habe man nicht besser informieren können, das habe man später auf Mitarbeiterversammlungen nachgeholt.

Doch die Reuebekundungen von Baumann und Wenning halfen nichts. Zahlreiche Aktionäre kündigten an, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. „Aufsichtsrat und Vorstand präsentieren sich in echter Wagenburg-Mentalität“, kritisierte Christian Strenger, Gründungsmitglied der Regierungskommission für gute Unternehmensführung. „Die Strategie war ein intensiver Flop.“ Strenger kritisierte, dass der Aufsichtsrat „eine 28-prozentige Erhöhung des Bonus für Herrn Baumanns Minderleistung“ beschlossen habe und forderte eine Sonderprüfung zur Monsanto-Übernahme.

Wenning betonte, die Vergütung erfolge nach einem transparenten und langfristigen Modell. Zugleich widersprach er den Vorwürfen von Aktionären, Baumanns Vorgänger Marijn Dekkers habe früh vor der Übernahme gewarnt. Das sei ein hartnäckiges Gerücht, schon zu Dekkers Zeit habe der Vorstand sich damit befasst und sei sich einig gewesen, so Wenning.

Über 60 Aktionäre meldeten sich zu Wort, so dass der Aufsichtsratschef mehrfach die Redezeit verkürzte. Die Kritik war massiv, allenfalls ein Leverkusener Betriebsrat lobte den höheren Bonus für die Mitarbeiter. Am Ende blieb die Bitte von Marc Tüngler, Chef des Aktionärsschützervereinigung  DSW: „Herr Baumann, ziehen Sie den Karren wieder aus dem Dreck.“