Leverkusener Politlandschaft: Busbahnhof wird fast eine Mio. Euro teurer

Leverkusener Politlandschaft : Busbahnhof wird fast eine Mio. Euro teurer

Im jüngsten Beratungspapier zum Projekt in Wiesdorf, an dem die Technischen Betriebe seit gut einem Jahr arbeiten, stehen die aktuellen Kostenschätzungen. Etwa fürs neue Dach. "Eine katastrophale Entwicklung", klagt Ratsherr Scholz.

Noch in diesem Monat will Wolfgang Herwig, Chef der Technischen Betriebe Leverkusen (TBL), anfangen mit dem Bau des Dachs für den neuen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Wiesdorf. Der Verkehr soll dazu auf die Ostseite umgelenkt werden. "Beim ZOB liegen wir gut im Zeitplan", merkt Herwig an.

Bei den Kosten nicht - so jedenfalls schimpft CDU-Ratsherr Rüdiger Scholz: "Die Kosten für das Dach des neuen Busbahnhofs in Wiesdorf steigen um 80 Prozent. Eine katastrophale Entwicklung." Was Scholz so aufregt, steht in einem städtischen Beratungspapier für die Bezirksvertretung I Ende Juni und den Stadtrat Anfang Juli. Darin heißt es: "Auf der Grundlage des Sachstandsberichts zum Neubau des ZOB ... Wiesdorf wird der Kostenerhöhung in Höhe von 965.000 Euro zugestimmt."

Allein fürs Dach wird es laut Stadt nach aktuellem Stand eben viel teurer. Scholz: "Von 1.959.000 Euro auf 3.529.000 Euro. Das sind 80,1 Prozent." Die Stadt argumentiert in dem Beratungspapier unter anderem damit, dass es schwer sei, Handwerker zu bekommen: "Bereits mit dem Haushalt 2018 wurde eine Summe von 360.000 Euro für Kostenerhöhungen im Bereich des Straßen-Tiefbaus zusätzlich bereitgestellt. Die Erhöhungen ergaben sich aufgrund der anhaltend guten Auftragslage bei den Baufirmen und der damit verbundenen angespannten Preissituation."

Und: "Die aktuell höheren Kosten im Bereich des Überdachungsbauwerkes wurden mit der Abgabe des Wettbewerbsentwurfes mit ca. zwei Mio. Euro grob geschätzt. Dabei handelte es sich um die Kosten für das reine Bauwerk, d. h. für die Gründung, den Stahlbau sowie die Dachhaut." Weitere Kosten seien im Zuge der Ausarbeitung des Entwurfes aufgekommen - "für die Baustelleneinrichtung, die Beleuchtung mit Fahrgastinformationssystem...". Zunächst habe sich so eine Kostenberechnung von 2,48 Mio. ergeben, bei der späteren Ausarbeitung waren es knapp drei Mio. Euro, unter anderem, "weil sich nach der detaillierten statischen Berechnung Massenmehrungen, u. a. beim Stahl, ergeben haben", notiert die Stadt. Dazu kämen weitere Kosten. Scholz: "Es sollen dabei Mittel verwendet werden, die ursprünglich für die Aufwertung des öffentlichen Raumes in Hitdorf, für das Plangebiet Hitdorf-Ost und für den Bürgerbuschweg vorgesehen waren."

Es sei eingetreten, was die Stadt bei der Vorstellung des Projektes vor zwei Jahren verneint habe. Damals habe die Politik vermutet, dass es wegen der "gewagten Dachkonstruktion" zu Preissteigerungen kommen könnte. "Die Verwaltung wies diese Befürchtungen weit von sich", merkt der Politiker an.

"Nun will man die Kosten für das Dach über einen Zeitraum von 80 Jahren abschreiben. Das bedeutet, dass das Dach auch 80 Jahre stehen soll. Wenn man bedenkt, dass der aktuelle Busbahnhof in Opladen knapp 30 Jahre gestanden haben wird und der bisherige in Wiesdorf nach Jahrzehnten der Vernachlässigung auch nur auf 45 Jahre gekommen ist, ist das eine gewagte Annahme", wettert Rüdiger Scholz. Schlimm sei, dass mit den Preissteigerungen andere Projekte verschoben würden. "Wir laufen Gefahr, uns in die Reihe der Städte einzuordnen, die bei den Kosten für Großprojekte deutlich über das Ziel hinausschießen", warnt der Landtagsabgeordnete.

(RP)
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