Leverkusen: Bunte Perlen für sauberes Wasser

Leverkusen : Bunte Perlen für sauberes Wasser

Der Weltwassertag heute wird bei Lanxess mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Der Konzern fährt in Sachen Wasserreinigung zweigleisig.

Von den 365 Tagen im Jahr sind so gut wie alle mit Themen belegt. Neulich war Weltschlaftag, Montag Tag des Glücks. Der heutige von den Vereinten Nationen initiierte Gedenktag widmet sich einem weltweit immer kostbarerer werdenden Gut: Wasser. Schwerpunkt in diesem Jahr: Abwasser.

"Die Themenwahl steht im engen Zusammenhang mit Ziel 6 ,Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten' der im Herbst 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedeten Agenda 2020 für Nachhaltige Entwicklung", erläutert das Bundesumweltamt. Eines der Unterziele: Abwasser soll als Ressource genutzt und nicht einfach entsorgt werden.

Ersteres passiert schon länger im Chempark beim Spezialchemiekonzern Lanxess. Das Unternehmen senkte nach eigenen Angaben die auf den Produktausstoß bezogene Menge Prozessabwasser in den vergangenen fünf Jahren konzernweit um rund sechs Prozent. Hinter den Mauern von Laboren und Produktionsanlagen machen sich Lanxess aber mehr Gedanken um das Lebensmittel Wasser: "Laut Aussage der Weltgesundheitsorganisation WHO und Unicef greifen 1,8 Milliarden Menschen zu verunreinigtem Wasser, um ihren Durst zu löschen. Jährlich sterben fast 850.000 Menschen an der Folge von verkeimtem Wasser oder schlechten hygienischen Bedingungen." Eine Aussage, die Lanxess-Arbeitsdirektor Ranier von Roessel vor drei Jahren traf, hat weiter Bestand: "Eine zunehmende Weltbevölkerung, Umweltverschmutzung und der Klimawandel könnten die Situation in den kommenden Jahrzehnten weiter verschärfen." Anlass damals war die Einweihung einer Produktionsstraße und Abfüllanlage für Ionenaustauscher zur Wasserreinigung. Zehn Millionen Euro investierte der Konzern. Lanxess gehört nach eigenen Angaben zu den wenigen, die bei der Wasserreinigung zweigleisig fahren: mit Umkehrosmose und mit Ionenaustauscherharzen.

Letztere kennen viele aus der eigenen Küche. Denn die kleinen Perlen kommen in handelsüblichen Haushalts-Wasserfiltern zum Einsatz, entfernen Schadstoffe wie Nickel, Nitrat und Kohlenwasserstoffe. Prinzip: Filterung. Je nach Schadstoff kommen andere Harze zum Einsatz. Geht es ums Abwasser, binden Ionenaustauscher Schwermetalle wie Quecksilber und Cadmium. "Auch Edelmetalle wie Kupfer oder Platin können gefiltert und dann wieder für andere Zwecke genutzt werden", sagt Lanxess-Sprecher Frank Grodzki. In der Industrie wird so Wasser für industrielle Prozesse in Kraftwerken aufbereitet.

Dass Bedarf da ist, betonte Jean-Marc Vesselle, Leiter des Geschäftsbereichs Liquid Purification Technologies, ebenfalls schon damals: "Er steigt jährlich um drei bis sieben Prozent." Lanxess habe seit 2009 drei solcher Produktionsstraßen errichtet, davon eine in Indien, und damit die Kapazitäten in dem Bereich verdoppelt. Membranfilter, die Lanxess in Bitterfeld produziert, filtern wiederum Salze, Pestizide, Herbizide, Viren, Bakterien und Kleinstpartikel aus Wasser. So können Meerwasser und Brackwasser entsalzt, Trinkwasser gewonnen und aufbereitet werden. Grodzki: "Das Verfahren kommt in Städten und Gemeinden zum Einsatz und wird im Kleinmaßstab unter anderem in Restaurants, Hotels und auf Kreuzfahrtschiffen genutzt."

Und noch einem Thema widmet sich Lanxess: Arsen. Die Verunreinigung mit dem giftigen geschmacks- und geruchslosen Halbmetall, ist nicht selten. In Teilen der USA, Südamerikas, Asiens und in Europa, etwa Großbritannien, komme es im Grundwasser vor. "Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit mehr als 100 Millionen Menschen Wasser mit Gehalten über 50 Mikrogramm je Liter trinken. Die Europäische Union und die USA haben einen Grenzwert von zehn Mikrogramm je Liter gesetzlich verankert." Die Vergiftung zeigt sich beim Menschen in verschiedenen Formen - von Hautveränderungen bis zu Karzinomen (Krebs). Um Arsen aus Trink- und Abwasser zu entfernen, entwickelte der Konzern winzige Absorber-Granulate. "Jedes Gramm dieser Teilchen hat eine Oberfläche von etwa 150 Quadratmetern - also eine ganze Wohnung auf einem Gramm", erläutert Grodzki.

(RP)