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Bundestagswahl 2021 in Leverkusen: Das sind die Kandidaten

Bundestagswahl : Das sind die elf Direktkandidaten für Leverkusen

Am 26. September 2021 findet die Bundestagswahl statt. Elf Personen wollen als Direktkandidaten antreten. Manche sind bekannt, andere weniger. Wir stellen sie im Überblick vor.

Der Termin der Bundestagswahl rückt näher. Gewählt wird am 26. September im Wahlkreis 101, den sich Leverkusen mit dem Bezirk Köln-Mülheim teilt. Zehn Kandidatinnen und Kandidaten treten an, um den elften Bewerber, Mandatsträger Karl Lauterbach (SPD) herauszufordern, der seit 2005 auch für Leverkusen im Bundestag in Berlin sitzt. Wer sind diese Frauen und Männer und was bewegt sie?

Karl Lauterbach (SPD)  Als Epidemiologe und Gesundheitsexperte seiner Partei ist der Medizinprofessor mit Büro in Harvard auf allen Kanälen zu sehen. Gerade in Pandemie-Zeiten hat sein Wort Gewicht, und meistens sind seine Prognosen und Befürchtungen eingetreten. Seine Warnungen und Mahnungen empfindet mancher als unangenehm, nicht selten musste sich Lauterbach in jüngster Zeit Anfeidungen bis hin zu Morddrohungen gefallen lassen. Seiner Linie bleibt er dennoch treu und scheut keine Auseinandersetzung. Erst recht nicht, wenn es in Leverkusen um den Autobahnausbau geht. Sein hervorragend ausgebautes Netzwerk in Berlin, nicht nur in der eigenen Partei, konnte dennoch bisher nicht verhindern, dass die von der SPD mitgetragene Bundesregierung an ihren Plänen zu einem Ausbau der A 1 ohne Tunnel festhält.  

 Karl Lauterbach (SPD) will sein Mandat verteidigen. 
Karl Lauterbach (SPD) will sein Mandat verteidigen.  Foto: dpa/Michael Kappeler
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Serap Güler (CDU) Sie ist Staatssekretärin im nordrhein-westfälischen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration und hat selbst eine Migrationsgeschichte. Die 41-Jährige wuchs als Kind türkischer Gastarbeiter in Deutschland auf. Der Vater war Bergmann und arbeitete 40 Jahre lang unter Tage. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet lernte sie 2006 am Rande einer Vortragsveranstaltung in Köln kennen. Von 2012 bis 2017 war sie Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag, der CDU gehört sie seit 2009 an. Seit 2012 ist sie ununterbrochen im Bundesvorstand ihrer Partei vertreten. Die Integrationsexpertin und liberale Muslimin ist seit 2010 deutsche Staatsbürgerin und gilt als Kritikerin der autoritären Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

 Serap Güler (CDU) fordert Lauterbach heraus.
Serap Güler (CDU) fordert Lauterbach heraus. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Nyke Slawik (Grüne) ist 27 und will im Bundestag vor allem jungen Menschen eine Stimme geben, die eine mutigere Klimapoltik verlangen, und sich für eine vielfältige und soziale Gesellschaft einsetzen. Ihr langfristiges politisches Ziel ist es, eine klimaneutrale Zukunft gemeinsam mit Unternehmen und Arbeitnehmern zu gestalten. „Der Mindestlohn muss auf zwölf Euro steigen und niedrige und mittlere Einkommen müssen finanziell entlastet werden“, findet Slawik. Für Leverkusen kämpft sie dafür, dass die Verbreiterungen der Autobahnen A1 und A3 nicht mehr kommen. Auch biografisch gibt es eine Besonderheit an ihr: Im Falle ihrer Wahl wäre Slawik die erste transidente Frau im Bundestag. Daher ist ihr auch das Thema Antidiskriminierung ein wichtiges Anliegen. Slawik engagiert sich bereits seit vielen Jahren bei den Grünen und an anderer Stelle für die Rechte von LGBTIQ-Personen (Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen).
Geboren und aufgewachsen ist Slawik in Opladen. 2009 trat sie der Grünen Jugend bei. 2017 war sie Landtagskandidatin der Grünen, 2019 folgte eine Kandidatur für das Europaparlament. Ihr Einzug in den Bundestag gilt in diesem Jahr als sehr wahrscheinlich. Der Landesverband der NRW-Grünen wählte sie im April auf den Listenplatz 11 ihrer Landesliste zur Bundestagswahl.

 Nyke Slawik (Grüne) könnte erste Transfrau im Bundestag werden.  Foto: Elias Keilhauer
Nyke Slawik (Grüne) könnte erste Transfrau im Bundestag werden. Foto: Elias Keilhauer Foto: Elias Keilhauer

Conny Besser (FDP)  Die 25-Jährige arbeitet als Vertriebsleiterin für ein Kölner IT-Startup im Bereich IT-Security. Die Deutsch-Amerikanerin lebt in Bürrig und engagiert sich als Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen und im Kinder- und Jugendhilfeausschuss in Leverkusen. Durch ihren persönlichen und beruflichen Werdegang liegt ihr politischer Fokus besonders auf der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit anderen Nationen. „Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, müssen wir unsere Wirtschaft innovativer aufstellen und die europäische Zusammenarbeit stärken. Investitionen in die Arbeitsplätze vor Ort sind essenziell, um gute Perspektiven für junge Menschen zu schaffen.“

 Die Deutschamerikanerin Conny Besser ist Bundestagskandidatin der FDP.
Die Deutschamerikanerin Conny Besser ist Bundestagskandidatin der FDP. Foto: Besser

Jaqueline Blum (Klimaliste) Die  32-Jährige ist eine politische Newcomerin. Als Einzelbewerberin hat sie sich vor wenigen Monaten der Klimaliste angeschlossen. „Aus Verzweiflung. Aus Wut. Aus Angst. Aus Notwehr“, wie sie sagt. „Wir müssen jetzt handeln, um die Lebensgrundlage für uns und zukünftige Generationen zu erhalten.“ Das bedeute:  mehr Windkraft plus Photovoltaik als wichtigste Grundsteine für eine klimaneutrale Energieversorgung – „und zwar flott“. Sie setzt sich für einen barrierefreien ÖPNV ein,  auch müsse der Verkehrsraum zugunsten von Fahrradfahrern und Fußgängern neu aufgeteilt werden. „Wir benötigen wieder mehr Natur in unserem Alltag. Mehr Parks, mehr Bäume, mehr Wald, mehr unversiegelte Flächen – die Durchgrünung der Städte. Unsere Flussläufe müssen renaturiert und Moore, als wichtiger CO2-Speicher, wiedervernässt werden.“  Richtschnur bleibe das Pariser Klimaabkommen. „Jedes Zehntel Grad zählt“, sagt Blum.

 Jacqueline Blum tritt als Einzelkandidatin für die Klimaliste an.
Jacqueline Blum tritt als Einzelkandidatin für die Klimaliste an. Foto: Blum

Beate Hane-Knoll (Die Linke) ist Krankenschwester und freigestellte Betriebsrätin bei den Kliniken der Stadt Köln und engagierte Gewerkschaftlerin. Einer ihrer  politischen Schwerpunkte ergibt sich aus ihrer Berufstätigkeit und bezieht sich auf das Gesundheitswesen. „Krankenhäuser müssen bedarfsgerecht finanziert werden. Fallkostenpauschalen gehören abgeschafft“, sagt sie. Und: „Gesundheitsversorgung gehört zur Daseinsfürsorge und darf nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet sein.“ Ein weiterer Schwerpunkt ist  die Umweltpolitik, bei der sie sich für Klimagerechtigkeit stark machen will.  „Ein nachhaltiger Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft ist zwingend erforderlich“, sagt sie. Ökologisches mit dem Sozialen zusammen denken, das habe sich die Linke auf die Fahnen geschrieben.

 Beate Hane-Knoll (Linke) ist Krankenschwester und bei Gesundheitsthemen engagiert.
Beate Hane-Knoll (Linke) ist Krankenschwester und bei Gesundheitsthemen engagiert. Foto: Die Linke

Frauke Petzold (Die Partei) Von ihr erreichte uns folgende Zuschrift: „Mein Name ist Frauke Petzold und ich bin die sehr gute Kandidatin für Die Partei  im Wahlkreis Leverkusen/Köln-Mülheim. Seit Jahren wird über eine Tunnel- oder Stelzenlösung zur Autobahnbrücke debattiert. Ich sehe beides nicht als Lösung des Problems und fordere daher eine Achterbahn-Strecke. So spart man Kraftfahrzeuge und hat auch noch Spaß dabei. Auch in der Stadt selbst wäre so was denkbar. Ebenso benötigen wir eine Bierpreisbremse und mehr Pommes-Stände in der Stadt, die dann auch 24 Stunden geöffnet haben.“

 Frauke Petzold geht für „Die Partei“ ins Rennen um die Macht.
Frauke Petzold geht für „Die Partei“ ins Rennen um die Macht. Foto: Die Partei

Christer Cremer (AfD) vertritt die Alternative für Deutschland als Direktkandidat. Als vorrangige politische Ziele nennt der 39-jährige Wissenschaftliche Mitarbeiter:  „Erhalt Deutschlands als moderne Industrienation mit einer kostengünstigen und sicheren Energieversorgung.“ Zudem will er sich für eine nachhaltige Haushalts- und Finanzpolitik, für einen Staat mit geordneten Finanzen, niedrige Steuern und Abgaben sowie niedrige Inflation stark machen.  Ebenso für die „Etablierung einer effizienten Abschieds- und Rückführungskultur für abgelehnte Asylbewerber. Dem politischen Islam dürfe in in Deutschland kein Raum gegeben werden, sagt er.

 Christer Cremer tritt für die AfD an.
Christer Cremer tritt für die AfD an. Foto: AfD

Jonathan Meier (MLPD) ist 26 Jahre alt und arbeitet als Heilerziehungspfleger in einem Wohnhaus für Menschen mit Behinderung. „Ich bin internationalistisch, antifaschistisch, klassenkämpferisch, revolutionär und konsequent ökologisch“, sagt er über sich. Der Beinahe-Gau der Sondermüllverbrennungsanlage von Currenta in Bürrig habe gezeigt, „dass die Profitgier der großen Monopole eine unmittelbare Gefahr für alle Menschen in unserem Land darstellt“. Das Hochwasser im Juli belege, „wie tief wir bereits in der Umweltkrise stecken“. Deshalb wolle er sich für „echten Sozialismus“ einsetzen.

 Jonathan Meier ist Direktkandidat der MLPD.
Jonathan Meier ist Direktkandidat der MLPD. Foto: RP/MLPD

Dirk Sattelmaier (Die Basis) ist Rechtsanwalt aus Köln. Die Kleinstpartei „Die Basis“ hat den Juristen  nominiert. Die im April 2020 gegründete Partei bezeichnet sich selbst als basisdemokratisch und wird mit Protesten gegen die Corona-Politik staatlicher Stellen in Verbindung gebracht.

Stephan Heintze (Freie Wähler) ist Direktkandidat der Wählergemeinschaft. Er ist Bundespolizeibeamter und wohnt in Straelen.