Leverkusen.: Bürgermeister: Was ich von den Finnen lernte

Leverkusen.: Bürgermeister: Was ich von den Finnen lernte

Seit 50 Jahren verbindet die Städte Leverkusen und Oulu eine Freundschaft. Bernhard Marewski schilderte nun in einem Vortrag, warum die Stadt im hohen Norden ihn so fasziniert.

Die beiden Chemiestädte Leverkusen und Oulu feiern aktuell ihre 50-jährige Partnerschaft. Doch worin liegt der besondere Reiz von Oulu? Und was macht eigentlich den Geist der jungen finnischen Partnerstadt - deren Durchschnittsalter liegt bei 37,1 Jahren - aus? Mit dem Vortrag "Oulu - (k)ein weißer Fleck" starteten die Deutsch-Finnische Gesellschaft und ihr Vorsitzender, der Leverkusener Bürgermeister Bernhard Marewski, am Dienstag ins Jubiläumsjahr. Im Forum- Vortragssaal und in Kooperation mit der Volkshochschule berichtete er anschaulich und höchst informativ über die nördlichste Großstadt der Europäischen Union.

Etwa 30 Zuhörer folgten gespannt den Ausführungen. Unter ihnen war auch eine Familie aus Schlebusch, deren 14-jähriger Sohn im Frühjahr gemeinsam mit dem Blasorchester der Musikschule in die Partnerstadt reist und jetzt die Gelegenheit zur Reisevorbereitung nutzte. Beide Eltern singen im Vokalensemble "Art Tonale", das im November zwei Konzerte präsentiert, bei denen die finnische Nationalhymne vorgetragen wird. "Wenn man Finnland sehen will, sollte man am besten im Sommer dorthin reisen. Dann ist es genauso warm wie bei uns, regnet aber erheblich weniger", empfahl Marewski und fuhr fort: "Der Geist von Oulu ist schwer zu erklären. Geprägt wird er besonders durch junge Leute." Leverkusen, so Marewski, könne von Oulu einiges lernen. Bei Neubauprojekten würden nicht - wie bei uns - erst Häuser und Wohnungen, irgendwann vielleicht Kindergärten und Schulen gebaut. Sondern es funktioniere umgekehrt. "So kann man sicher sein, dass Leute aus der Umgebung in die Stadt zu ziehen." Ihn persönlich faszinierten besonders "Arctic Attitude", die arktische Haltung, und das Denken nach vorne. Das sei Schlagwort und Idee zugleich. Im Übrigen sei auch die Tagung am 6. Dezember zum Schluss des Festjahres mit dem Titel "Arctic Attitude meets German Pragmatism" (Arktische Haltung trifft deutsche Tüchtigkeit) überschrieben.

Und warum sind die Finnen insgesamt so erfolgreich? "Im Zweifel haben sie 'Sisu'", erklärte Marewski. Dieses finnische Wort sei nicht zu übersetzen und bedeute so viel wie Willensstärke, Kühnheit, Entschlossenheit, Ausdauer oder Kampfgeist. Es sei Symbol für Eigenschaften, die in Finnlands Geschichte eine wichtige Rolle spielten. "Viele dieser Eigenschaften haben mir Auftrieb für mein eigenes Leben gegeben", gestand Marewski. "Finnen mögen sich streiten. Aber immer, wenn es drauf ankommt, sind alle konsensorientiert. Das hat mir imponiert. Und das versuche ich nachzuleben."

(gkf)