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Leverkusen: Bürger: Hier soll die Polizei blitzen

Leverkusen : Bürger: Hier soll die Polizei blitzen

Die Polizei nimmt ab kommender Woche Vorschläge Leverkusener Bürger entgegen, wo sie in Zukunft häufiger ihre mobile Tempopistolen aufbauen soll. Die Leverkusener sind geteilter Meinung über die Aktion.

Am Lindenfeld, Quettinger Straße, Imbacher Weg: Ab kommender Woche können Bürger mitentscheiden, wo Temposünder geblitzt werden sollen. Die Polizei nimmt Vorschläge für Orte in Leverkusen entgegen, an denen sich Bürger häufiger Kontrollen wünschen.

106 Raser gingen der Polizei in Leverkusen beim ersten Blitz-Marathons im Februar ins Netz. Am 3. Juli kontrolliert die Polizei erneut 24 Stunden lang. Unterschied: Dieses Mal werden die Bürger einbezogen. "Die Menschen erleben in ihrer direkten Umgebung, dass viele Autofahrer rücksichtslos fahren und das Leben anderer gefährden", begründete NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) die Aktion. Aber muss in Leverkusen mehr geblitzt werden? Und wo? Politiker und Bürger sind geteilter Meinung.

- Rainer Schiefer (CDU), Bezirksvorsteher aus Opladen, befürchtet, dass viele Leverkusener enttäuscht sein werden: "Es wird so sein, dass viele mitmachen und hoffen, dass auch bei ihnen kontrolliert wird und dann doch nichts passiert." Zudem würden Polizei und Stadt wissen, wo sie kontrollieren müssten. Er wünscht sich, dass an der Kita "Buddelkiste" an der Rennbaumstraße häufiger kontrolliert würde. "Da rasen die ständig lang."

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- Ex-Oberbürgermeister Dr. Walter Mende (SPD) meint, es müsse "gnadenlos" an Kitas und Grundschulen geblitzt werden, etwa an der Quettinger Straße. Aber auch in Spielstraßen wie Am Lindenfeld. Er hält die Aktion aber für wenig sinnvoll. "In Leverkusen wird schon so häufig geblitzt. Mir erscheint es eher eine willkommene Einnahmequelle der Polizei zu sein."

- Meinolf Sprink, Bayer-04-Kommunikationsdirektor, wohnt zwar in Neuss, erlebt den Leverkusener Verkehr aber von Berufs wegen täglich. Er findet die Aktion grundsätzlich gut. "Ich habe oft das Gefühl, die Polizei steht an der falschen Stelle."

- Susanne Lemke (43), Chefstewardess aus Düsseldorf, ist nicht begeistert: "Da wischen sich die Bürger gegenseitig selber einen mit aus, das finde ich nicht gut."

- Dr. Wilhelm Graulich (71), ehemaliger Bankdirektor, begrüßt das Vorhaben: "Ich wohne an der Burscheider Straße, wo sich erst letztens einer totgefahren hat. Da wurden dann Poller aufgestellt, die nur kurz gewirkt haben. Mittlerweile heizen sie wieder mit 70 oder 80 Sachen da lang. Erlaubt sind 50."

- Kerstin Werner (45) Haushaltshilfe aus Opladen, versteht nicht, wieso Raser nicht an Kinder denken: "In der Kanalstraße und in der Steinstraße müsste geblitzt werden. Durch die Schule sind da viele Kinder unterwegs, viele Autofahrer halten sich nicht an Tempo 30."

- Eine 20-Jährige aus Küppersteg hält nichts von der Idee des Innenministers: "Das ist Schwachsinn. Die Polizei weiß ganz genau, wo die Leute zu schnell fahren. Aber viel blitzen tun die eh nicht. Das macht meist die Stadt."

Raser oder nicht, die Wahrnehmung zu Temposündern sind höchst unterschiedlich. Einen bemerkenswerten Schlagabtausch lieferten sich Politiker in der Bezirksvertretung I. Die CDU forderte Tempo 30 km/h für die Wupperstraße. CDU-Ratsherr Rüdiger Scholz: "Wenn ich kurz vor sieben bei meinem Friseur sitze, sehe ich immer Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit. Viele haben noch diese Bumm-Bumm-Musik an." SPD-Ratsherr Uwe Richrath konterte: "Von meiner Pizzeria aus sieht tagsüber immer alles unauffällig aus." Knochentrocken grätschte Friedhelm Laufs, Leiter Fachbereich Straßenverkehr, dazwischen. "Wir haben 29 Stunden hintereinander gemessen. Nur acht Fahrer waren zu schnell." Überprüft wurden 12 000 Autos. 76 Prozent der Fahrer rollten mit 30 km/h oder weniger über die Wupperstraße, wo Tempo 50 erlaubt ist. Diese Ergebnisse ließen gesetzlich keinen Spielraum, zwischen den Kreisverkehren auf der Wupperstraße generell Tempo 30 km/h anzuordnen, sagte Laufs.

(RP/jco)