1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusen: Brandanschlag – "Sie sind ja total irre!"

Leverkusen : Brandanschlag – "Sie sind ja total irre!"

"Ist was passiert, Mama? Die ist ja voll am Heulen!" Völlig verstört sah der ältere der beiden Angeklagten im Prozess um den Brandanschlag auf ein Haus der Familie Goman im Kölner Landgericht seine Mutter an, als sie den Gerichtssaal betrat.

Dass die Leverkusenerin weinte, weil ihr Sohn sich dort wegen versuchten Mordes verantworten muss — auf diese Idee kam der 23-Jährige nicht. Auch nicht, als die Richterin ihm das erklärte. "Aber trotzdem, das ist doch voll komisch."

Helfen konnte oder wollte seine Mutter ihm nicht; sie verweigerte die Aussage. "Es gibt hier nichts zu sagen." Ihr Sohn plauderte dafür völlig entspannt über seine Ex-Freundinnen, seine Vorstrafen und Sozialstunden, an die er sich nicht mehr im Einzelnen erinnern konnte — und von seinem Hund. "Den habe ich immer gut behandelt. Der hat von mir Seelachs mit Spinat bekommen." In der achten Schulklasse sei er von der Hauptschule geflogen ("Ich konnte mich nicht benehmen."). Seine Ausbildung zum Fachlagerist habe er zwei Monate vor Abschluss geschmissen ("Weil ich dumm bin."), im Knast gehe es ihm aber "super; ich habe nette Beamte, ein geregeltes Leben, einen guten Job, verteile da das Essen."

Als der Verteidiger des zweiten Angeklagten, Gottfried Reims, den 23-Jährigen in die Mangel nahm, blieb der völlig cool. Ja, er habe bei der Polizei gelogen, eine Gelddruckmaschine der Gomans habe er nie gesehen. Die detailreich beschriebenen Bodenfliesen, auf denen die Maschine seiner Aussage nach steht, auch nicht. "Vielleicht brauchte ich den Kick." Und ja, er habe noch viel Geld von seinen Ebay-Geschäften übrig, so um die 10 000 Euro. "Die sind gut versteckt." Da platzte Reims der Kragen: "Es geht hier um Lebenslänglich für Sie", polterte er. "Sie sind ja total irre, hier so selbstherrlich aufzutreten. Sie sind ein Lügenbold."

Die Mutter des jüngeren Angeklagten berichtete, der 18-Jährige habe sein Leben lang Angst vor Feuer gehabt: "Nicht einmal eine Kerze konnte er anzünden.". Der Onkel beschrieb seinen Neffen als "ein dummes Kind; im Kopf nicht älter als zwölf Jahre." Während seine Angehörigen nach der Tat "überhaupt keine Veränderungen" feststellen konnten, erklärte seine Ausbildungsleiterin, er sei "plötzlich wie ein alter Mann" gewesen: "Magen, Rücken, Füße — alles tat ihm weh. Da war nicht mehr viel übrig von dem motivierten Jungen."

Und dann kam noch einmal Leben in den 23-Jährigen: Ganz dringend wollte er den Labello wiederhaben, der zwischen den Taschentüchern steckte, die er seiner weinenden Mutter gegeben hatte. "Ich will den haben, ich brauche den."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Brandanschlag auf Mehrfamilienhaus in Leverkusen

(RP/rl)