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Leverkusen: Brandanschlag: kritische Fragen zur Großfamilie

Leverkusen : Brandanschlag: kritische Fragen zur Großfamilie

Natürlich ging es Freitag am Landgericht auch um den Brandanschlag im Sommer 2011 auf ein Haus der Familie Goman. So kommt etwa zur Sprache, dass der ältere der beiden Angeklagten (18/23 Jahre) sogar eher entfernten Bekannten unaufgefordert die angebliche Beute aus einer seiner krummen Touren präsentiert haben soll: ein Bündel aus 500-Euro-Scheinen, insgesamt 70 000 Euro.

Derweil berichtet ein Polizist, dass sich aus der Überprüfung der Konten des 23-Jährigen nicht ergeben habe, dass dieser über Zehntausende Euro verfügt haben soll, um die er von der Großfamilie geprellt worden sei — weshalb er das Haus an der Carl-Leverkus-Straße angesteckt haben soll.

Hartz IV und teure Autos

Derselbe Polizeibeamte sieht sich während der gestrigen Verhandlung am Kölner Landgericht indes kurz darauf kritischen Nachfragen ausgesetzt. Der Rechtsanwalt des jüngeren Beschuldigten, Gottfried Reims, bohrte nach, wie weit sich die Ermittler denn in die Eigentumsverhältnisse rund um das betroffene Haus hineingebohrt haben. Schließlich, das räumt auch der Polizist ein, heiße es vielfach, das Gebäude gehöre den Gomans. Dass der eingetragene Eigentümer nur ein Strohmann der Großfamilie sei, "dafür gab es durchaus Indizien. Aber den Nachweis konnten wir nicht führen", berichtet der Polizist.

Reims gibt sich damit nicht zufrieden: Es sei doch eigenartig, dass Familienmitglieder, die Lebensunterhalt und Miete mit Unterstützung vom Amt bestritten, mit teuren Autos herumfahren, die auf ihren Vermieter zugelassen seien. Warum die Polizei in diese Richtung nicht auch Ermittlungen geführt hat, bleibt letztlich offen.

Rund um das eigentliche Thema der Verhandlungen kommt schließlich noch raus, wie der 18-Jährige ins Visier der Fahnder geraten ist: Er rief rund 20 Minuten nach dem Brandanschlag beim 23-Jährigen an. Deshalb wurde er von der Polizei als Zeuge geladen, um zu berichten, was es mit dem Telefonat auf sich hatte — es dauerte nicht lange, da brach der junge Mann in Tränen aus und berichtete von seiner Tatbeteiligung. Und wurde so vom Zeugen zum Angeklagten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Brandanschlag auf Mehrfamilienhaus in Leverkusen

(zill)