Beweissicherung in Leverkusener Kliniken wenig genutzt

Angebot der Kliniken : Beweissicherung noch wenig genutzt

Nach sexuellen Übergriffen können Frauen sich in Kliniken anonym untersuchen lassen. 

Seit 2015 haben Frauen die Möglichkeit, die Spuren eines sexuellen Übergriffs anonym sichern zu lassen, auch wenn sie sich noch nicht sicher sind, ob sie den Vorfall wirklich zur Anzeige bringen wollen. Eine Untersuchung ohne Polizei also, die in beiden Leverkusener Krankenhäusern (Klinikum Leverkusen und St. Remigius Krankenhaus) durchgeführt wird und kurz ASS heißt. Die Abkürzung steht für Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftat.

Entscheidend ist, dass die Spuren gerichtsfest dokumentiert, aber ohne Name der Person, sondern nur mit einer Nummer versehen aufbewahrt werden, und zwar zunächst für zehn Jahre, aber mit der Option einer Verlängerung. „Auf diese Weise haben die Frauen, die ja zunächst unter Schock stehen, genügend Zeit zu überlegen, ob sie den Fall zur Anzeige bringen wollen“, erklärt Andrea Frewer vom Frauennotruf, der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt und Projektleiterin von ASS, das zunächst als Modellversuch gestartet ist. Außerdem werden die betroffenen Frauen bei der Untersuchung im Krankenhaus beraten und auf die Hilfestellung von Frauennotruf oder dem SPZ in Opladen verwiesen. Dort wird man ihnen die Vorgehensweise bei Anzeige und dem folgenden Gerichtsverfahren genau erklären, so dass sie im Vorfeld wissen, was auf sie zukommt.

Längst nicht alle entscheiden sich danach für die Anzeige. Seit Einführung von ASS, das bisher in 16 Fällen in Anspruch genommen wurde, waren es gerade mal drei. Aber Claudia Odendahl, seit 1. Januar kommissarische Leiterin des Frauenbüros, findet diese Zahl gar nicht so klein. Denn es handelt sich dabei um Fälle, die sonst vermutlich unter „Dunkelziffer“ verbucht wären. Außerdem müsse sich das Angebot noch weiter herumsprechen, wozu man Flyer aufgelegt und zusätzlich auf der Homepage von Stadt und Frauennotruf eingestellt hat. Weil die Erfahrung zeigt, dass nicht alle (junge) Frauen in der Lage sind, diese Broschüre zu lesen, wurde nun ein neues Info-Heft in leichter Sprache aufgelegt. Darin werden komplizierte Wörter und das übliche Bürokratendeutsch vermieden. Die Sätze sind kurz, und in jeder Zeile steht möglichst nur einer. Wichtige Aussagen sind umrahmt, und der Text in Großdruck wird zusätzlich durch klare Abbildungen ergänzt.

Wichtig ist: möglichst sofort (innerhalb 72 Stunden) untersuchen lassen, nicht duschen oder Spuren abwaschen. Bürgermeisterin Eva Lux, die auch im Vorstand der Lebenshilfe tätig ist, begrüßt diese neue Informationsschrift. Denn sie weiß aus Erfahrung, dass Frauen mit Behinderung besonders gefährdet sind, Opfer sexueller Gewalt zu werden und dass gerade ihnen oft nicht geglaubt wird. Umso wichtiger sei die professionelle Beweissicherung ASS, über deren dauerhafte Finanzierung und Standardisierung derzeit im Landtag diskutiert werde, nachdem der Modellversuch drei Jahre gelaufen ist.

Die Leverkusener Krankenhäuser benutzen für die ASS einheitliche Dokumentationsbögen, die der Frauennotruf zusammen mit der Kölner Rechtsmedizin entwickelt hat. Das Personal werde regelmäßig geschult.

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