Betrugsprozess vor Landgericht um Leverkusener Don Mikel

Prozess in Köln : Landgericht fällt auf falschen Arbeitsvertrag herein

Mittlerweile wissen es die Kölner Richter besser als die Kollegen aus Bonn, die Michael G. vorzeitig Haftverschonung gewährten. Die Bonner Strafvollstreckungskammer hatte im Jahr 2010 darüber zu befinden, ob eine 2009 vom Nürnberger Landgericht gegen Michael G. verhängte Haftstrafe (Urteil: dreieinhalb Jahre) vorzeitig aufgehoben werden könne.

Voraussetzung war die gute Führung in der JVA Euskirchen und der Nachweis einer festen Arbeitsstelle. Eine Bescheinigung wurde vorgelegt. Doch spätestens nach dem Geständnis eines  Mitangeklagten im laufenden Prozess vor der 17. Großen Strafkammer ist klar: Es war ein Scheinvertrag.

Aus den Akten wurde eine Aussage des Angeklagten zitiert, mit der er wohl Reue gegenüber dem Richter zeigen wollte: „Jetzt, wo ich weiß, wie hart man für sein Geld arbeiten muss, weiß ich, was es für die Opfer bedeutet, was ich getan habe.“ Zunächst hielt sich Michael G. an die Bewährungsauflagen. Zumindest wurde kein Vergehen aktenkundig – um dann aber kurz nach Ablauf der Bewährungsfrist 2016 erneut auf Tour zu gehen und durch immer wieder neue Betrugsmaschen vornehmlich Senioren um größeren Beträge zu erleichtern.

Das führte im März 2018 zu einer Razzia in Bürrig und in Folge im November 2018 zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig, erst muss die Revision vom Bundesgerichtshof  entschieden werden.

Der im Herbst 2018 angestrengte Prozess resultiert ebenso aus den umfangreichen Erkenntnissen der Kölner Sonderkommission „Bischof“ wie das laufende Verfahren. Die jahrelange Ermittlung der Polizei wurde auf mehr als 6000 Seiten zu Papier gebracht und führte im März 2018 zur Verhaftung von „Don Mikel“ und weiteren Mitgliedern der weitverzweigten Familie. Urkundenfälschung, Geldwäsche, nebulöse Immobiliengeschäfte und weitere gewerbsmäßige Betrügereien lauten die Vorwürfe.

Am dritten Verhandlungstag am Mittwoch hat sich die Kammer immer noch nicht mit den Einzelheiten der 21 Fälle in der 116 Seiten umfassende Anklageschrift der Staatsanwaltschaft beschäftigt. Es kam die Jugendgerichtshilfe zu Wort, die als Beistand für den 22-jährigen Sohn von Michael G. bestellt wurde. Bei der Erläuterung wurde wegen „schutzwürdiger Interessen“ des Angeklagten die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung  ausgeschlossen. Danach musste das Gericht die Prozess-Beteiligten von Don Mikels Vorstrafe Nummer sieben – Betrügereien mit Teppichen und Geldwäsche – informieren. Der Prozess wird am 12. Juni fortgesetzt.

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