Betrugs-Prozess gegen Leverkusener Clanchef Don Mikel geht weiter

Prozess vor dem Landgericht : Säulen an der Wohnungstür – der „Palast“ von Don Mikel

Im Prozess gegen den Leverkusener Junior-Clanchef gab es Einblicke in sein Privatleben.

(RP) Ein Mitarbeiter im Leverkusener Chempark hatte eine – vorübergehende – Bleibe gesucht; er wollte nicht länger die langen Anfahrten vom linken Niederrhein in Kauf nehmen. Über eine Maklerin hatte er die Wohnung in der zweiten Etage in Bürrig gefunden, ohne zu wissen, über wem er da wohnt. Nämlich direkt über dem Palast-ähnlichen Domizil von „Don Mikel“, dem Junior-Oberhaupt der stadtbekannten Großfamilie aus Leverkusen. Der hatte die beiden unteren Etagen in Beschlag genommen.

Ursprünglich war im Erdgeschoss ein Einzelhandelsgeschäft untergebracht. Gewerblich ließ sich die Fläche nicht vermieten, also fasste der damalige Besitzer den Entschluss, daraus Wohnungen zu machen. Zumindest zwei sollten es sein, doch dem Don war das wohl zu eng. Für seine Familie mit Frau und Kindern ließ er die Räume generös zu einem Quartier umbauen. Die Architektin, die dafür die Pläne entwarf und die entsprechenden Unterlagen bei der Baubehörde einreichte, berichtete von dem Auftrag.

Das ist an sich nichts Besonderes. Dafür wollte die 17. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts genau wissen, wer der Auftraggeber war. Und der war – zumindest trat er so gegenüber der Architektin, einer Maklerin und dem Mieter auf – der  Eigentümer. Immer wieder sprach er von „seinem Objekt“. Er bestimmte, was gemacht werden sollte. Das Haus in Bürrig hatte er natürlich gleich gekauft. Im Grundbuch als Eigentümer eingetragen war indes jener Immobilien-Unternehmer aus Bergisch Gladbach, der einige Plätze weiter ebenfalls auf der Anklagebank im großen Gerichtssaal 210 sitzt.

Um die genaue Rolle dieses Strohmannes und seine Verbindung zu Michael G. (Spitzname „Don Mikel“) geht es nun. Denn über diesen  Mittelsmann soll der Don Geld gewaschen haben. Akribisch achtete Michael G. darauf, dass in keinen schriftlichen Unterlagen bei seinen Immobiliengeschäften – und auch beim Kauf seiner fünf hochwertigen Autos – sein Name auftauchte. Wenn er selbst Bargeld erhielt, etwa von seinem Mieter, quittierte er das mit einer schnellen Unterschrift, die der des Strohmanns ähnelte.

Der Bewohner über Dons „Palast“ hatte den üppigen Fuhrpark hinter dem Haus bemerkt, hatte auch einen Einblick in die Wohnung mit Säulen an der Tür. Er bezeichnete sie als luxuriös und bestätigte damit die Angaben anderer Zeugen, die zuvor die Räume als „mehr als gut bürgerlich“ oder als „sehr aufwendig“ beschrieben hatten.

Jetzt wird mit Spannung eine Aussage des Strohmannes erwartet. Am 2. September soll sie erfolgen. Sein Verteidiger erbat sich diese längere  Vorbereitungszeit, weil er die Einlassung seines Mandanten genau abstimmen will.

Der Chempark-Mitarbeiter ist übrigens aus der Wohnung in Bürrig wieder ausgezogen – zurück zu seiner Familie an den Niederrhein.

(ms)
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