Betrugs-Prozess gegen Familien-Clan aus Leverkusen vor dem Landgericht

Betrugs-Prozess vor dem Landgericht : Clan-Chef will seinem Sohn vor Gericht eine Rolex schenken

Im Landgerichts-Prozess gegen drei Mitglieder eines Familienclans sorgte eine Szene am Rande für Aufsehen. „Mein Sohn muss doch wissen, wie spät es ist“, sagte der Vater des Angeklagten und reichte dem Sohn die Luxus-Uhr. Ein Wachtmeister schritt ein.

In dem Prozess wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges gegen Mitglieder der Roma-Familie ist am Mittwoch  nur eine Zeugin gehört und das wohl entscheidende Beweismittel eingeführt wurden. Die Polizei hat bei ihren Ermittlungsarbeiten vor genau einem Jahr zahlreiche Telefonate abgehört und mitgeschnitten. Die mussten in mühseliger Kleinarbeit abgeschrieben und übersetzt werden.

Michael G. und seine Verwandten sind weit über Leverkusen hinaus bekannt: Immer wieder stehen Mitglieder der Familie vor Gericht. In Köln muss sich der 41-Jährige nun einmal mehr wegen Bandenbetrugs verantworten.

Für noch größeres Aufsehen als die Zeugenbefragung sorgte jedoch ein Vorfall am Rande des Prozesses. Den Kindern  des Hauptangeklagten „Don Mikael“ wurde erlaubt, ihren Vater zu begrüßen. Auch der Vater des Angeklagten, der Chef des Leverkusener Clans, wollte seinem Sohn etwas Gutes tun. Als er ihm eine Uhr überreichen wollte mit den Worten „Mein Sohn muss doch wissen, wie spät es ist“, schritt ein Justiz-Wachtmeister geschickt ein: Das gehe nicht, „weil ich gerade kein Werkzeug dabei habe, um die Uhr zu öffnen und zu untersuchen“. Der Vater brüstete sich sogar noch damit, dass es sich um eine Rolex im Wert von 35.000 Euro handele. Den Kameras des Fernsehteams von RTL wich er ebenfalls nicht aus  und versuchte dem Reporter weiß zu machen, wie er durch geschickte Immobiliengeschäfte und durch Geschenke von sechs reichen Frauen zu seinem Vermögen gekommen sei. Er bekannte vor laufender Kamera: „Ja, ich bin Millionär.“

Zurück zur Zeugenbefragung: Die meisten Anrufe wurden in der eigenen Sprache Romanes geführt. Die vereidigte Dolmetscherin, die für diese umfangreiche Arbeit den Auftrag von den Ermittlungsbehörden erhielt, wurde am dritten Verhandlungstag vor der 19. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts vor allem von den insgesamt sieben Verteidigern mächtig in die Mangel genommen. Der Grund liegt auf der Hand: Denn die Telefonate und deren Übersetzungen, die den Verteidigern am Mittwoch in Form eines Selbstlesepakets übergeben wurden, müssen es in sich haben.  Damit nicht stunden- und tagelang Papiere und Ermittlungsakten verlesen werden, hat der Gesetzgeber das Selbstleseverfahren eingeführt. Für die Öffentlichkeit bleibt der Inhalt damit erst einmal verschlossen. Aber es sickerte durch, dass sich durch die Telefonate nicht nur Hinweise – und wohl auch die wichtigen Beweise – auf den  in diesem Prozess zur Anklage gebrachten Betrug an einem Rentner-Ehepaar aus Norddeutschland, das um 80.000 Euro geprellt wurde, ergeben.  Sondern für die Polizei haben sich damit auch offensichtlich Erkenntnisse auf zahlreiche weitere Straftaten ergeben. Delikte, die wohl noch in zahlreichen neuen Prozessen zur Anklage kommen werden.

Daher ließen sich die Verteidiger sogar die Urkunde über die Vereidigung der Dolmetscherin zeigen, obwohl diese bereits seit einigen Jahren in dieser Funktion immer wieder für die deutsche Justiz tätig war. Sie wollten wissen, wie bestimmte Aussagen bestimmten Personen zuzuordnen seien. Wie gesagt: Ohne dabei überhaupt auf die Inhalte eingehen zu können. Das wird das Gericht erst an den restlichen drei vorgesehenen Verhandlungstagen (Fortsetzung am kommenden Mittwoch) würdigen können, wenn vor allem die Ermittlungsbeamten ihre Aussagen machen werden.

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