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Besuch in Leverkusen: Hubertus Heil zwischen Käsebrot und Diplomatie

Bundesarbeitsminister zu Besuch in Leverkusen : Hubertus Heil zwischen Käsebrot und Diplomatie

Wahlkampf: Der Bundesarbeitsminister besucht mit Oberbürgermeister Uwe Richrath die Umweltwerkstatt des Job Service Leverkusen. Trotz Terminstress nimmt er sich die Zeit für einen Plausch mit den Beschäftigten.

Als Bundesminister für Arbeit und Soziales hat der SPD-Politiker Hubertus Heil einen vollen Terminkalender. Das wird in diesen Tagen im Vorfeld der Kommunalwahl deutlich: Montag und Dienstag hat er in sieben Städten in NRW mit den jeweiligen SPD-Bürgermeister-Kandidaten oder aktuellen Amtsinhabern eine Verabredung zu einem Austausch.

Der Leverkusener Stadtchef Uwe Richrath begrüßt Heil am Dienstagmittag an der Umweltwerkstatt des Job Service Leverkusen (JSL), wo JSL-Geschäftsführer Thomas Schorn den Politikern Einblicke in die tägliche Arbeit vor Ort ermöglicht.

Was auffällt: Von Anfang an herrscht eine vertraute Atmosphäre – Sozialdemokraten duzen sich stets. Da spielt es auch keine Rolle, dass Richrath und Heil sich zum ersten Mal begegnen. Der Bundesminister trägt einen schwarzen Anzug und schwarze Schuhe, das Sakko hat er bei sommerlichen Temperaturen offen gelassen, auf die Krawatte verzichtet. Beim Besuch der Umweltwerkstatt hätten sich allerdings auch Blaumann und Arbeitsschuhe angeboten.

Die Werkstatt ist ein Lernort für die rund 50 Beschäftigten. Die hatten es durch verschiedene Schicksalsschläge in der Vergangenheit nicht immer leicht. „Deshalb ist das so wichtig hier. Die Menschen lernen, sich zurück ins Leben zu kämpfen“, sagt Schorn. „Wir haben eine Atmosphäre geschaffen, in der wir miteinander zum Erfolg kommen, die Stärken der einzelnen Personen rausarbeiten und voneinander lernen“, ergänzt er. Neben vielen Möglichkeiten im Garten- und Landschaftsbau gibt es auch eine Fahrradwerkstatt. In Kooperation mit der Stadt sammeln die Arbeiter der Umweltwerkstatt alte Fahrradleichen ein und bauen aus den Einzelteilen funktionstüchtige Räder zusammen.

Hubertus Heil erweckt trotz Terminstress den Eindruck: Er hat Zeit: Er lässt sich von Schorn alles erklären, hört zu, sucht das Gespräch mit den Beschäftigten, hakt nach. Er fragt nach ihren Erfahrungen, Schicksalen und Möglichkeiten, die sich ihnen durch die Umweltwerkstatt eröffnen. Es sei ihm wichtig zu sehen, dass das, was in Berlin alles so entschieden werde, auch vernünftig vor Ort in den Kommunen ankomme, betont er. Auch mit Genosse Richrath sucht er den Austausch über die aktuelle Situation in der Stadt.

Heil sagt von sich selbst, dass er oftmals pragmatisch denke – und das nicht nur politisch. Als es darum geht, vom einen Gesprächsort zum nächsten zu gehen, entscheidet sich der Minister gegen einen Umweg und steigt kurzerhand mit einem großen Schritt über die kniehohe Mauer vor ihm, die die Beschäftigten der Umweltwerkstatt errichtet hatten. Auch bei einem kleinen Snack sammelt der Mann mit der stattlichen Statur Sympathiepunkte bei den Beschäftigten, als er sagt: „Ich sollte mich eigentlich für den Obstspieß entscheiden, möchte aber doch lieber ein Käsebrötchen essen.“ Am Ende isst er beides. Zeit hat er auch für eine Zigarette an der frischen Luft, fragt aber vorher höflich, ob dies die anderen nicht stört.

Nach dem Termin in Leverkusen geht es für Heil weiter nach Köln. Vorbei an der BayArena in das Einzugsgebiet des FC, zum „falschen Klub“, wie ein Anwesender verlauten lässt. „Wenn ich eines bei meinen Besuchen in NRW gelernt habe, dann, dass ich mich in Fußballfragen nicht einmischen werde“, sagt der Minister und lacht. Diplomatie können sie, diese Spitzenpolitiker.