Bayers Verhandlungen zum Verkauf von Currenta-Anteil auf Zielgeraden

Konzernbilanz Bayer : Verhandlungen zum Verkauf von Currenta-Anteil auf Zielgerade

Werner Baumanns Stimme klang entschieden, als er am Mittwochvormittag betonte: „Wir haben die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt“ und damit auch die größte und vermutlich am heißesten diskutierte Übernahme in der mittlerweile 156-jährigen Geschichte des Bayer-Konzerns, die des US-Saatgutriesen Monsanto für 63 Milliarden Dollar, meinte.

Die nach der Abspaltung der Kunststoffsparte (heute Covestro) verbleibenden Standbeine Pharma und Agrar lieferten keine absolut großartigen, aber doch sehr solide Ergebnisse ab. Neben der Akquisition von Monsanto sei Bayer im Agrarbereich „zur Nummer eins in diesem Markt aufgestiegen. Die Integration der beiden Unternehmen ist hervorragend gestartet“, ergänzte Baumann. Zu 2018 gehörte aber auch die Entscheidung, im Portfolio aufzuräumen und Stellen abzubauen. 12.000 Jobs werden weltweit gestrichen, ein Großteil davon in Deutschland. Viel konkreter wurden Baumann und sein Vorstandskollege Hartmut Klusik nicht. Es laufe mit den Arbeitnehmervertretern die Erarbeitung von entsprechenden Programmen, etwa zu Abfindungslösungen für Mitarbeiter, die früher in den Ruhestand wechseln wollen, aber auch für jüngere Kollegen. „Es ist alles noch in der Abstimmung, die Programme laufen über die kommenden drei Jahre. 2022 sollen sie voll wirksam sein“, sagte Klusik. Weitere Details, etwa zum Jobabbau an einzelnen Standorten, nannte er nicht.

Unter anderem will Bayer sich auch von seinem 60-prozentigen Anteil am Chempark-Betreiber Currenta trennen. „Die Diskussionen sind weit fortgeschritten. Ich kann auch sagen, wir sind auf der Zielgeraden in den Diskussionen und den Verhandlungen“, merkte Baumann an. Die erwarteten Verkaufserlöse – Bayer will sich auch von dem Bereich Animal Health und den Consumer-Health-Marken Coppertone und Dr. Scholl’s trennen – „sind hoch. Wie hoch, das kann ich Ihnen jetzt nicht sagen“, ergänzte der Vorsitzende des siebenköpfigen, nun wieder ausschließlich mit Männern besetzten Vorstands.

Und Baumann nannte bei der Bilanzvorstellung Zahlen, die „ trotz eines herausfordernden Markt- und Währungsumfeldes“ erneut Wachstum zeigen. Der Konzernumsatz wuchs (wertpapierbereinigt) um 4,5 (nominal 13,1) Prozent auf 39,6 Milliarden Euro. Das Ebitda, das ist der Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen – um 2,8 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro – „obwohl negative Währungseffekte allein das bisherige Bayer-Geschäft mit 457 Millionen Euro belasteten“, führte Baumann aus. Das Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) reduzierte sich um 33,7 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Darin enthalten: Sonderaufwendungen von 2,5 (Vorjahr: 1,227) Milliarden Euro. Der Großteil, sagt Bayer, entfiel auf Wertminderungen „oder stand in Verbindung mit dem akquirierten Geschäft (rund 2 Milliarden Euro)“. Dem gegenüber stehe ein Sonderertrag von rund 4,1 Milliarden Euro aus Veräußerungsgewinnen gegenüber. Bayer CropScience hatte sich für den Erwerb von Monsanto von Geschäftsbereichen trennen müssen und diese an BASF verkauft.

Die weiteren Zahlen: Konzernergebnis: 1,695 Milliarden Euro (-76,9 Prozent), bereinigtes Ergebnis je Aktie: 5,94 Euro (-10,5 Prozent); Free Cash Flow: 4,6 Milliarden Euro (+17,4 Prozent), Nettofinanzverschuldung 35,7 Milliarden Euro (+ 32 Milliarden Euro).

Und noch eine Zahl: Im Zusammenhang mit dem durch dem Monsanto-Erwerb nun zu Bayer gehörenden Pflanzenschutzmittel Glyphosat sieht sich Bayer bis zum 28. Januar in den USA Klagen von etwa 11.200 Klägern gegenüber.

Die Prognose für 2019: Der Konzern rechnet mit einem Umsatz von rund 46 Milliarden Euro und einem Ebitda von 12,2 Milliarden Euro. Bei diesen Zielen sind die geplante Trennung von Geschäftseinheiten, Marken und Currenta allerdings noch nicht berücksichtigt.

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