Leverkusen: Bayer streicht Geld für 5000 Sportler

Leverkusen: Bayer streicht Geld für 5000 Sportler

Der Konzern lässt bis 2015 für acht Leverkusener Vereine die finanzielle Förderung auslaufen. Betroffen ist dadurch fast jeder dritte der fast 16 800 Bayer-Sportler in der Stadt. In den Vereinen geht nun die Existenzangst um.

Die Einladung, die die Bayer AG am 14. November an acht ihrer hiesigen Sportvereine verschickte, las sich eigentlich "sehr freundlich", wie es einer der Adressaten beschreibt. Von finanziellen Umstrukturierungen sei in dem Schreiben zwar die Rede gewesen, aber eben auch davon, dass man die Vereine gerne "als unsere Ansprechpartner frühzeitig in diese Überlegungen einbeziehen" möchte.

Was Sportkoordinator Jürgen Beckmann und Kommunikationschef Michael Schade dann aber am Dienstagabend im BayerKasino den Vereinsvertretern und 13 weiteren Bayer-Clubs aus Dormagen und Krefeld kundtaten, hatte weniger mit Überlegungen und mehr mit Vollzugsmeldung zu tun.

"Das hätte ich nicht gedacht"

Und die liest sich so: Die Bayer AG dreht bis 2015 21 ihrer 27 eigenen Vereine in der Region sukzessive den Geldhahn zu. Schon 2012 fließt erstmals weniger. In Leverkusen sind acht Vereine mit knapp 5000 Mitgliedern betroffen (siehe Info). Das entspricht 30 Prozent aller Bayer-Sportler und jedem achten Sportvereinsmitglied in der Stadt. Von der Streichung ausgenommen sind nur die zwei "Großen" TSV Bayer 04 und RTHC.

Um null Uhr am Mittwoch versandte Bayer die offizielle Mitteilung. Man wolle das Sport-Engagement auf sechs Großvereine in der Region konzentrieren, heißt es da. Außerdem sei die Zahl der Bayer-Mitarbeiter in den Vereinen zuletzt stetig gesunken. "Die eingesparten Gelder sind Teil des angekündigten Sparprogramms, mit dessen Hilfe Mittel für Forschung und Marketing freigesetzt werden sollen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu stärken." Die Leverkusener Angler, Kanufahrer, Luftsportler, Reiter, Schachspieler, Sportschützen, Segler und Skisportler stehen also vor dem Aus, weil ihre Gelder woanders als sinnvoller erachtet werden.

"Wir verkraften ja schon seit Jahren Kürzungen, aber dass es endgültig aus ist, hätte ich nicht gedacht", sagt Alfred Endlicher, Vorsitzender des Ski-Club Bayer. "Was wir aufrechterhalten können, muss man sehen", sagt er. Und dass es vor allem für die Kinder bitter sei, die man stets so intensiv gefördert habe. Herbert Isbanner vom Luftsportclub sagt: "Wir überlegen seit 15 Jahren: Was passiert, wenn? Jetzt ist es soweit. Es ist bitter, aber wir haben Jahrzehnte gut von Bayer gelebt." Die Ruderer verwiesen auf eine außerordentliche Vorstandssitzung heute, bei den Reitern entscheidet sich die Zukunft bei der Versammlung am 5. Dezember.

Andocken bei TSV oder RTHC?

Der Konzern teilte mit, den Vereinen bei der Zukunftsgestaltung helfen zu wollen. Diese könnten sich als Abteilung dem TSV oder RTHC (beide waren zu der Info-Veranstaltung nicht geladen) anschließen oder untereinander kooperieren. "Ich wüsste nicht, wie", sagt Artur Taus vom Sportanglerverein. Anne Wingchen (TSV) und Anke Holterbosch (RTHC) betonen zwar: "Unsere Tür steht auf", aber Wingchen sagt eben auch: "Ich sehe nicht viele Vereine, die vom Angebot her angedockt werden könnten."

In mehreren Fällen führten die Kürzungen gestern dazu, dass Vereinsmitglieder baten, nicht mit Äußerungen zu dieser Thematik in Verbindung gebracht zu werden. Angst spielt offenbar mit, denn viele in den betroffenen Vereinen sind immer noch bei Bayer angestellt.

(RP/rl)
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