Leverkusen: Bayer schraubt Umsatzpotenzial für Arzneien rauf

Leverkusen : Bayer schraubt Umsatzpotenzial für Arzneien rauf

Für die Vorzeigeprodukte liegt die Erwartung statt auf 5,5 auf 7,5 Milliarden. Bayer-Chef fordert besseren Patentschutz.

Da setzt Bayer noch mal eins drauf. Genaugenommen nicht nur eins, sondern eine Zwei mit neun Nullen. Konzernchef Marijn Dekkers stufte jetzt das Umsatzpotenzial der fünf neuen Vorzeigemedikamente Xarelto, Eylea, Stivarga, Xofigo und Ademaps um zwei Milliarden Euro hoch — auf "mindestens 7,5 Milliarden Euro". Im vergangenen Jahr haben die Arzneien zusammengenommen einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro eingefahren. "Ursprünglich hatten wir für das Jahr eine Milliarde geplant", berichtete Dekkers auf Bayers Bilanzpressekonferenz.

Blockbuster — so nennt Bayer ein Medikament, dem der Konzern einen Spitzenumsatz von mindestens zwei Milliarden Euro zutraut — unter den Fünf bleibt der Gerinnungshemmer Xarelto. Sein Spitzenumsatzpotenzial stufte Bayer von mehr als eben jenen zwei Milliarden auf rund 3,5 Milliarden Euro rauf. Knapp davor, ein Blockbuster zu werden, ist die Augenmedizin Eylea zur Behandlung von altersbedingter Makula-Degeneration. An dieser Krankheit leidet als prominentes Beispiel etwa die britische Schauspielerin Dame Judi Dench. Das Potenzial von Eylea erhöhte der Konzern um 0,5 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro. Stivarga (hemmt Enzyme, die Tumorwachstum bewirken), Xofigo (wirkt auf Knochenmetastasen) und Ademaps (bei Lungenhochdruck) belässt Bayer bei der bisherigen Einschätzung von einer Milliarde beziehungsweise 500 Millionen Euro (Ademaps) Spitzenumsatzpotenzial.

Die 7,5 Milliarden Euro stellen sich allerdings nicht über Nacht ein. Wie insgesamt in der Entwicklung von Arzneien ist auch beim Einfahren der Umsätze Ausdauer gefragt. Dekkers rechnet damit, dass Xarelto in fünf bis sechs Jahren das Spitzenpotenzial erreicht hat und Eylea sehr nah dran sein wird. "Die anderen, noch kleineren Produkte werden das erst später erreichen", prognostizierte der Manager. "Aber wenn erst einmal das Patent verloren geht, dann ist es natürlich vorbei mit Spitzenumsätzen, so ist das in unserer Branche", fügte der Konzernchef an.

Deshalb warb er dringend für einen verbesserten Patentschutz. "Das muss weitergehen, der Patentschutz gehört zur Basis, um neue Medikamente auch entwickeln zu könne." Zweiter Punkt: "Um sicherzustellen, dass künftig neue Arzneien entwickelt werden, müssen wir angemessene Preise haben, um Forschung und Entwicklung finanzieren zu können."

Ab diesem Jahr bis 2016 will der Konzern rund 11,2 Milliarden in die Gesundheitssparte HealthCare stecken: 7,4 Milliarden sind für Forschung und Entwicklung und 2,6 Milliarden für Sachinvestitionen bestimmt. Dekkers ergänzte: "Gerade weil Patente auf Arzneien verloren gehen, ist es so wichtig, Neues in der Pipeline zu haben."

Und Bayer kann offenbar ordentlich nachlegen: In der Wirkstoff-Pipeline gibt's laut Dekkers unter anderem fünf "vielversprechende neue Entwicklungskandidaten" aus den Bereichen Kardiologie (Bereich Herzinsuffizienz), Hämatologie (Behandlung von Blutarmut), Onkologie (Non-Hodgkin-Lymphom) und der Gynäkologie (symptomatische Uterus-Myome). Bis 2015 sollen die fünf Kandidaten die Entscheidungsreife für den Start von Phase III-Studien erreichen. Diese beinhaltet die Studien, die den für die Zulassung entscheidenden Wirksamkeitsnachweis liefern sollen.

(RP)
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