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Leverkusen/Monheim: Bayer-Gartenbauverein: Am 7. Juni ist Schluss

Leverkusen/Monheim : Bayer-Gartenbauverein: Am 7. Juni ist Schluss

Die Auflösung des 101 Jahre alten Vereins konnte am Wochenende nur noch nicht vollzogen werden, weil juristische Formalia nicht erfüllt waren.

Die Stimmung bei der Mitgliederversammlung des Gartenbauvereins Bayer Leverkusen war entspannt. Obwohl es die letzte Zusammenkunft in dieser Form gewesen sein dürfte, bei der 80 Anwesende im Tropicarium noch einmal Kaffee und Kuchen genießen konnten.

Dass die Auflösung des Vereins — nur ein Jahr nach der 100 Jahr-Feier — auf der Tagesordnung stand, schien für viele unvermeidlich. So sagte Hans Bleikertz, Mitglied seit 40 Jahren: "Es ist doch nur eine logische Konsequenz. Wenn Nachwuchs ausbleibt, Einnahmen schwinden und Bayer seine Zuschüsse einstellt, sind noch weitere Bayer-Vereine zum Sterben verurteilt."

Am Samstag konnte die Liquidierung alleine aus rechtlichen Gründen noch nicht über die Bühne gehen, ließ Rechtsanwalt Malte Uffeln wissen. Der Verein könne nur dann aufgelöst werden, wenn mindestens die Hälfte aller aktuell 426 Mitglieder anwesend wäre.

Am 7. Juni soll dem einst durch Carl Duisberg ins Leben gerufenen Zusammenschluss der endgültige Todesstoß versetzt werden. Dann genügt es, wenn mehr als 80 Prozent der Versammelten der Auflösung zustimmen. Das Vermögen erhält die Bayer AG mit der Auflage, es an gemeinnützige Werksvereine zu übertragen.

Ehe Schatzmeister Wolfgang Behr verdeutlichte, die Einnahmen hätten sich innerhalb von nur sechs Jahren halbiert — und das Vereinsvermögen sei spätestens in drei Jahren aufgebraucht, erläuterte Präsidentin Birgit Krauskopf noch einmal das, was alle schon lange wussten: dass der Verein mit 73 Jahren überaltert ist, dass sich viele deshalb von ihrem Garten getrennt haben, dass es trotz alternativer Angebote nicht gelungen ist, den Rückwärtstrend zu stoppen und das jetzt vielleicht der Moment gekommen sei, um loszulassen. Zur Gründungszeit hatte Gartenbau und Landwirtschaft große Bedeutung. Mangelhafte Versorgung ließ sich durch Obst und Gemüse aus eigenem Anbau prima verbessern. In Spitzenzeiten zählte man über 5000 Mitglieder und gehörte zu einem der größten Leverkusener Vereine.

Später beteiligten sich die Bayer-Gärtner an der Verschönerung des Stadtbildes, lehrten den Umgang mit Schädlingen und Nützlingen, nahmen an Ausflügen und Studienreisen teil. Zuletzt hegten und pflegten viele ein Grundstück im Neulandpark. Wenn es nach Armin Kühler (Stadtgrün) geht, soll das so bleiben. Bei der anschließenden kurzen Diskussion wurde diese Option als eine von mehreren Möglichkeiten künftigen Engagements genannt. Für manch andere bleibt dagegen nur noch die Erinnerung.

Wie die Kopie einer Eintrittskarte zur Gründungsversammlung, die Wolfgang Reusche fest in seiner Hand hält.

(kno)