Leverkusen: Bayer baut für 35 Mio im Chempark

Leverkusen : Bayer baut für 35 Mio im Chempark

Die Kunststoffsparte Material Science erweitert mit einer Mehrzweck-Anlage für zwei Polyurethan-Lackrohstoffe ihre bisherige Produktionsstätte. Bayer-Chef Dekkers nennt das ein deutliches Standortbekenntnis zu Leverkusen.

Als Bayer-Chef Marijn Dekkers gestern im Bus Platz nahm, der ihn und Gäste zu einer Baustelle ins Herz des Chemparks bringen sollte, überkamen ihn Zweifel: "Hoffentlich finden wir das auch", murmelte er. Chemparkleiter Ernst Grigat beruhigte, er kenne sich im Park aus. Der Busfahrer auch. Sein Gefährt blieb vor Gebäude U 18 stehen, dem Gebäude, in das Bayers Kunststoffsparte MaterialScience (BMS) eine neue Mehrzweck-Anlage integriert. In der sollen ab Herbst 2013 zwei Polyurethan-Lackrohstoffe hergestellt werden, die für "hochwertige und umweltverträgliche Automobil- und Industrielacke eingesetzt werden", hieß es von Bayer. Kosten: 35 Millionen Euro.

700 Millionen für Sachanlagen

"Für uns ist das ein Bekenntnis zum Standort Leverkusen und auch zur gesamten Region", hatte der Konzernchef vor der Busfahrt gesagt. Und: "In der öffentlichen Wahrnehmung steht aktuell die Expansion in den Wachstumsmärkten häufig im Fokus, vor allem China. Und das ist auch richtig." Dort gebe es dynamisches Wachstum. "Darauf müssen wir mit unseren Geschäften reagieren."

Aber: Auch in den Stammmärkten in Europa, vor allem in Deutschland, "engagieren wir uns weiter". So will der Konzern in den kommenden Jahren allein bei BMS mindestens 700 Millionen Euro in Sachanlagen in Deutschland investieren. Dekkers: "Ich denke, das spricht für sich." Konkrete weitere Projekte sprach er nicht an. Die neue Anlage stand im Mittelpunkt. Sie wird in die bereits bestehende Produktion der Lackstoffe, eben in Gebäude U 18, integriert und soll die Herstellung der beiden Stoffe noch effizienter machen, damit BMS der hohen Nachfrage der Kunden schneller nachkommen könne, hieß es.

Gesprochen hat gestern auch Gesamtbetriebsratschef Thomas de Win. Er pflichtete Dekkers bei: "Die neue Anlage ist Beleg dafür, dass unser heimischer Standort sehr wohl wettbewerbsfähig ist — auch im internationalen Vergleich." Einen Wermutstropfen konnte sich de Win nicht verkneifen. In den vergangenen zehn Jahren habe Bayer in Asien 3,4 Milliarden Euro investiert, um am Wachstum dort teilzuhaben. "In Deutschland benötigen wir nun schon fast sieben Jahre zur Inbetriebnahme der CO-Pipeline, was bis zum heutigen Tag nicht gelungen ist. Wir verstricken uns in einem jahrelangen Paragrafenstreit", kritisierte de Win auch die Politik.

Äußere Einflüsse inakzeptabel

"Es ist völlig inakzeptabel, dass wir uns unternehmensintern um die Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bemühen, die dann durch äußere Einflüsse infrage gestellt werden", sagte er.

(RP)
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