Bayer-Ausbildungszentrum in Leverkusen 50 Jahre alt

Bayer-Ausbildungszentrum : Schulen und Labore unter einem Dach

Vor 50 Jahren wurde das Bayer-Ausbildungszentrum im Werksteil Flittard eröffnet.

Dass Industrieproduktion nur mit gut ausgebildeten Fachkräften funktioniert, war für die Bayer-Chefs schon sehr früh eine Binsenweisheit. Und gut ausgebildete Fachkräfte fallen eben nicht vom Himmel, man muss sie anleiten, und das möglichst, wenn sie jung sind. Nicht von ungefähr entschied sich die Unternehmensleitung bereits 1901 eine Lehrwerkstatt und Lehrlingsschule für Schlosser einzurichten. Diese Kombination aus Schule und Werkstatt war ein wegweisender Vorgriff auf das, was wir heute „duale“ Ausbildung nennen. Und Bayer gehörte zu den ersten Unternehmen, die diese Kombination von Schule und praktischer Ausbildung umsetzte. 1913 kam das erste Lehrlaboratorium hinzu, das im 1. Weltkrieg dann wieder geschlossen wurde.  Schwere Kriegs- und Nachkriegszeiten behinderten die Entwicklung, bis 1937 ein Lehrlabor entstand, das später auf 100 Plätze ausgebaut werden sollte.

Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit und der rasante Produktionsverlauf in der Pharmabranche gab der Ausbildungsidee bei Bayer eine kräftigen Schub: 47 Ausbildungsberufe gab es 1965 beim Chemieriesen am Rhein. Dazu gehörten nicht nur  naturwissenschaftliche und technische Berufe, sondern auch kaufmännische und auch solche, die man bei einem Chemiekonzern zunächst nicht ohne weiteres vermuten sollte: Koch und Gärtner etwa. Das Wachstum des Konzerns hatte sich also auch im Ausbildungsbereich niedergeschlagen. „2452 Jugendliche hatten einen Ausbildungsvertrag, betreut von mehr als 200 hauptamtlichen und rund 1500 nebenberuflichen Ausbildern“, heißt es im Buch „Meilensteine“, das  zum 125-jährigen Werksjubiläum erscheinen ist.  Doch hatte sich dieser Zuwachs räumlich über das gesamte Werksgelände verteilt. Die bereits zu Beginn der 60er Jahre entstandene Idee lag nahe: Lehrlaboratorien, Lehrtechnika, Lehrwerkstätten und Unterweisungsräume sowie zwei Werkberufsschulen  sollten unter einem Dach vereint werden. Der Platz dazu wurde auf dem Flittarder Werksteil ausgemacht. Nach sechsjähriger Bauzeit wurde das neue Ausbildungszentrum 1969 eröffnet.

Auszubildende bei Bayer im Jahr 1988. Foto: Bayer AG

Die Bildungsidee des Unternehmens blieb übrigens längst nicht auf rein praktische Anwendungen beschränkt. Bereits 1907 war beschlossen worden, einen „akademisch gebildeten Bibliothekar mit dem Wohnsitz in Leverkusen“ anzustellen, der „gleichzeitig auch Vorträge allgemein wissenschaftlicher Art für Arbeiter und Beamte zu halten hat.“ Hinzu kam die Fortbildung, die etwa auch Inhalte wie Kommunikations- und Kooperationstraining für Führungskräfte umfasst, schließlich waren sie als Konzernvertreter längst in aller Welt unterwegs.

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