Leverkusen gewinnt 1993 den deutschen Fußballpokal Als Bayer 04 dem Titelfluch ein Schnippchen schlug

Leverkusen · Vor 31 Jahren holte die Werkself den Pokal gegen die Amateure der Hertha. Ein spektakulärer Trainerwechsel war vorausgegangen. Und: Von „Meisterkusen“ war die Mannschaft damals weit entfernt.

1993 - Bayer Leverkusen  holt in Berlin den deutschen Pokal ​
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1993 - die Werkself holt in Berlin den deutschen Pokal

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Foto: Peter Thönes

Der Tag des Triumphes begann mit einem Regenguss. „Damals war das Olympia-Stadion noch offen, die Zuschauer waren dem Wetter weithin ausgesetzt“, erinnert sich Peter Thönes, der an jenem 12. Juni 1993 zum Glück eine Regenjacke dabei hatte, die er flugs überstreifte. Pünktlich zum Anstoß klarte es dann auf, und Thönes, der als Fotograf für die Rheinische Post nach Berlin gereist war, richtete das Objektiv auf die einlaufenden Mannschaften.

In der Saison 1992/93 waren die Vorzeichen für das Pokalfinale in Berlin so gänzlich anders als heute. Zwar waren die Leverkusener auch hier haushoher Favorit gegen die Amateurmannschaft der Berliner Herta, doch von „Meisterkusen“ redete damals niemand. Im Gegenteil: Ohne nationalen Titel (1988 war immerhin der Uefa-Cup geholt worden) zählte Leverkusen zu den grauen Mäusen der Liga. „Die mitgereisten Bayer-Fans haben es sichtlich genossen, endlich mal im Rampenlicht der Fußballöffentlichkeit zu stehen“, erinnert sich Thönes. Mehr schlecht als recht hatte sich die Werkself im Pokalwettbewerb vornehmlich gegen unterklassige Teams durchgewurschtelt, um dann im Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt im Waldstadion endlich mit einem überzeugenden 3:0 das Tor zum Finale aufzustoßen.

Was folgte, war ein unwürdiges „Trainer-Theater“. Schon in der Winterpause entscheidet sich Manager Reiner Calmund für einen neuen Trainer, der aber erst zur neuen Saison kommen soll. Er einigt sich mit dem Frankfurter Trainer Dragoslav „Stepi“ Stepanovic auf einen Kontrakt ab dem Sommer 1993. So arbeitet Bayers Trainer Reinhard Saftig zwar weiter, aber sein Trainerstuhl wackelt und kippt dann vor dem Pokalfinale nach einer Misserfolgsserie in der Bundesliga vollends. Das Saison-Ziel Uefa-Cup ist in Gefahr. Stepanovic, bereits als „Berater“ in Leverkusen eingestellt, übernimmt und sichert einen europäischen Platz in der Liga. Auch im Pokalfinale sitzt der Serbe als Trainer auf der Bank.

Das vermeintlich einfache Spiel gegen den unterklassigen Gegner Hertha Amateure wird zur Geduldsprobe. In der 77. Minute gelingt Torjäger Ulf Kirsten mit einem Kopfball nach Flanke von Pavel Hapal das erlösende 1:0 und damit der zweite Titel nach dem Uefa-Pokalsieg 1988.

Peter Thönes verschießt an diesem Nachmittag elf Fotofilme, damals noch analog und in schwarz-weiß. Der Sieg der Leverkusener flimmert live über die Fernsehbildschirme, doch der Zeitungs-Fotograf braucht damals noch eine schlaflose Nacht für die Rückfahrt im Fanzug nach Leverkusen und weitere fünf Stunden im Labor, bis er alle Fotos entwickelt, auf Papier gebracht und von der Redaktion für einen Platz in der Zeitung hat auswählen lassen.

Manche dieser Fotos hat er heute noch. Sie zeigen, was Thönes am meisten beeindruckt hat: Die Freude der Fans und der Spieler. An dem Tag in Berlin, als Bayer Leverkusen dem Titelfluch ein Schnippchen schlug.