Leverkusen: Baufirma verkauft das Bahnhofstraßen-Pflaster

Leverkusen: Baufirma verkauft das Bahnhofstraßen-Pflaster

Für ungefähr 25 Euro pro Quadratmeter ist der rote Straßen-Klinker für Selbstabholer zu haben. Die TBL sehen den Verkauf durchaus positiv.

Der Mittdreißiger, der die Schubkarre schon zur Hälfte mit roten Klinkersteinen befüllt hat, sticht mit einem Spaten fleißig Meter um Meter des ehemaligen Straßenpflasters in der Bahnhofstraße ab. Der Mann kann sein Glück kaum fassen: "Ích bin Landschafts-Gärtner", sagt er. "Da brauche ich öfter solche Steine. Aber in dieser Qualität und dann für 25 Euro den Quadratmeter - besser kann ich nicht an das Material herankommen."

Seit Februar arbeitet die Firma Frauenrath an der Verschönerung der Fußgängerzone Opladen. Die Baustelle in der Bahnhofstraße ist schon fortgeschritten. An der Baubude im oberen Bereich sind jedoch Schilder angebracht, die damit werben, sowohl gebrauchtes Klinkerpflaster als auch Porphyr-Großpflaster günstig abzugeben.

Hubert Hammes ist Geschäftsführer des Bereichs Landschaftsbau bei der Firma Frauenrath. Er sagt: "Nicht überall klappt der Verkauf von Straßenklinker so gut wie an der Baustelle Bahnhofstraße." Das habe vor allem damit zu tun, dass die Baustelle nur in kleinen Abschnitten fortschreite, was wiederum die Möglichkeit eröffne, Käufer das Pflaster auch selbst abstechen zu lassen. "Wenn der Bagger das erledigen muss, geht ein Großteil der Steine kaputt", erläutert Hammes. Hinzu komme aber auch die "ausgesprochen gute Qualität des Klinkers", der nahezu neuwertig sei.

Das bestätigt auch der Kunde, der die Schubkarre fleißig belädt: "Im Baumarkt finden Sie so etwas in der Regel nicht - und wenn, dann zu einem viel höheren Preis", berichtet er.

Die roten Bodensteine stammen hauptsächlich aus dem mittleren Bereich der Bahnhofstraße. Dort soll ein heller "Funktionsstreifen" eingearbeitet werden, auf dem später neue Sitzmöbel und Spielgeräte zum Verweilen einladen sollen.

In der unteren Bahnhofstraße - so sieht es die Planung vor - soll es ein Wasserspiel geben. Die Arbeiten sollen bis spätestens Mai beendet sein, hatte es von der Stadt, der Stadtteilentwicklung und dem planenden Landschaftsarchitekten beim Spatenstich geheißen. Dann wird die Baustelle auf die Kölner Straße verlegt, wo die Verschönerungskur inklusive Goethestraße in die nächste Runde geht.

Die Baufirma hat übrigens nicht alle Klinkersteine aus der Bahnhofstraße verkauft: "Ein Teil muss zurückgehalten werden, weil einige Steine auch in der neuen Optik wieder verbaut werden", betont Wolfgang Herwig, Chef der städtischen Technischen Betriebe (TBL). Auch er bewertet den Pflasterverkauf grundsätzlich positiv: "Das kann eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten sein", glaubt er.

Die Stadt Leverkusen spare auf diese Weise die Entsorgung der Steine bzw. könne die Ausschreibung so abfassen, dass die Baufirma sich darum kümmern muss. Die wiederum verdiene ein wenig am Verkauf des Pflasters - und für die Käufer könne sich das preislich und qualitativ auch lohnen, sagt der TBL-Chef: "So etwas geht halt nicht überall, aber da, wo es funktioniert, haben wir absolut nichts dagegen."

Im Oktober/November soll die Verschönerung der Fußgängerzone baulich mit dem Pflanzen von neuen Bäumen abgeschlossen werden. "Wir wollen die Fußgängerzone fit für die nächsten 30 Jahre machen", hatte der Landschaftsarchitekt Thomas Wündrich beim symbolischen Spatenstich im Februar gesagt.

Die Kosten fürs Projekt, das Oberbürgermeister Uwe Richrath als "Meilenstein für Opladen" zusammenfasste, betragen etwa 1,2 Millionen Euro - 80 Prozent der Summe wird vom Bund und dem LandNordrhein-Westfalen gefördert.

(RP)