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Ballett im Forum Leverkusen: Bis zur Grenze des Möglichen

Ballett im Forum Leverkusen : Bis zur Grenze des Möglichen

Neugier ist die gemeinsame Grundlage des Ballett-Ensembles „Of Curious Nature“. Es präsentierte im Forum Choreographien von Felix Landerer und Helge Letonja.

Ganz auf sich selbst konzentriert agieren die beiden Tänzer über 15 Minuten nebeneinander, ohne den Versuch der Kontaktaufnahme. Spielen sie auf Abschottung der Pandemie-Zeit an, die ihre Spuren in der Gesellschaft hinterlassen hat? Zumindest ist das Stück „Cheer“ des Choreografen Felix Landerer eine Folge der Corona-Beschränkungen, weil Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln die Proben und so auch die Entwicklung des Stückes mitbestimmten. Vielleicht sollte man aber nicht zu viel hineininterpretieren, denn eigentlich geht es in dieser sinnlich körperhaften Erforschung des Lebens um die Auseinandersetzung mit der unausweichlichen Vergänglichkeit.

Die wurde dem Publikum von KulturStadtLev im zu dreiviertel besetzten Forum-Saal deutlich vor Augen geführt. Mit Beinen etwa, die sich so weit biegen, bis sie wegknicken und dem ganzen Körper die Stabilität nehmen. Immer wieder sind es diese Kippmomente, wenn ein Tänzer die eigene Statik bis zu jener Grenze des Möglichen austestet, die besonders faszinieren.

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Dieser Ausschnitt aus dem Tanzstück Landerers war beim (mehrfach verschobenen) Gastspiel in Leverkusen erstmals in der Kombination mit der Choreografie „Préludes“ von Helge Letonja in einem Programm vereint. Damit stellte sich der noch junge Zusammenschluss der Tanz-Compagnie Bremen/Hannover am Rhein vor und präsentierte eine Visitenkarte des Ensembles, das sich nicht zufällig „Of Curious Natur“, also „von neugieriger Natur“, nennt. Sowohl eine Neugier auf eine sich stets erneuernde Bewegungssprache, die sich aller denkbaren Einflüsse bedient, als auch die Neugier auf Möglichkeiten des eigenen Körpers.

Die Pandemie hat auch am zweiten, sehr viel längeren Stück dieses Tanzabends mitgeschrieben. Es ist ein Ergebnis von konzentrierter Körperarbeit mit Musik, in diesem Fall dem gleichnamigen Klavierzyklus von Frédéric Chopin. Der gibt eine breite Palette von Farben und Stimmungen vor, die mal solistisch, im Pas des deux oder mit dem ganzen Ensemble von je drei Tänzerinnen und Tänzern dargestellt werden.

Die wechseln in schneller Folge von kaum zwei Minuten langen Charakterstücken, die einzeln sicher als Bewegungsstudien taugen, die Helge Letonja aber nicht als Schnipsel serviert, sondern als ineinanderfließende Gesamtchoreografie. Bei aller Gegensätzlichkeit der musikalischen Sätze wächst in der Bewegung eins aus dem anderen. Als verbindendes Element tauchen mehrfach die Armbewegungen auf, die einen Rahmen vor dem eigenen Gesicht andeuten als kurze Momentaufnahme eines Porträts.