Leverkusen: Bakterien machen Kastanienallee zu schaffen

Leverkusen : Bakterien machen Kastanienallee zu schaffen

Aggressive Bakterien lassen zurzeit in NRW besonders viele Kastanien sterben. Einige Bäume der Kastanienallee an der Schusterinsel in Opladen kämpfen schon seit Jahren mit vom Pseudomonas-Bakterium verursachten Folgen. "Das betrifft vor allem die jüngeren Bäume", sagt Lothar Schmitz vom Stadtgrün. "Die werden nach und nach gerodet."

Etwa 70 Bäume stehen entlang des Leverkusener Naturdenkmals — bei einem Baumgutachten 2008 wurde der Befall erkannt, wie Baum-Kontrolleur Florian Bremicker sagt. "Den typischen Schleimfluss" gibt es an mehreren Bäumen, auch an älteren. Später ist die Erkrankung eines Baumes an schwarzen oder verkrusteten Stellen an der Rinde des Stammes zu erkennen. "Die Rinde und die darunter liegende Kambium-Schicht sterben ab, so dass Wasser aus dem Boden teilweise nicht mehr in die Krone kommt", erklärt Bremicker die Folgen. "Jüngere Bäume können wegen ihres kleineren Stammumfangs ringsherum betroffen sein." Dann gehen die Schäden über eine schüttere Krone und das Absterben von Ästen hinaus.

Nicht nur das Pseudomonas-Bakterium macht den Bäumen zu schaffen. Einige mussten schon gefällt oder massiv zurückgeschnitten werden. Foto: Ines Rzepka

"Nachzupflanzen macht nur blockweise Sinn", sagt Schmitz. Deswegen müsse man warten, bis die Lücken größer werden. "Es bringt auch nichts, zwischen alte Bäume Junge zu setzen." Die weiß- und rotblühenden Arten könnte man laut Bremicker versuchsweise mit gelben Rosskastanien ersetzen, um auszuprobieren, ob diese weniger anfällig sind. "Oder eine ganz andere Baumart nehmen, wie Linde oder Ahorn." Dann ist der Charakter der Allee gefährdet.

Den Baum-Kontrolleuren sind die Hände gebunden, gegen das Bakterium gibt es kein wirksames Mittel. "Wir desinfizieren nach jedem Baum das Schnittwerkzeug", sagt Bremicker, der mit seinen Kollegen einmal im Jahr eine Kontrolle durchführt. Als weitere Vorsichtsmaßnahme werden die abgeschnittenen Ästen "heiß-kompostiert bei mehr als 60 Grad. Das Material wird nicht geschreddert und anderswo eingebracht".

Das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi war erstmals 2006 in Nordrhein-Westfalen an Rosskastanien nachgewiesen worden. Wie die Kastanie selbst ist es in Deutschland nicht heimisch, sondern eingewandert.

Kastanien haben ohnehin mit Feinden wie etwa der Miniermotte zu kämpfen, durch die sich Blätter gelb färben. Von Bäumen, die es besonders schlimm trifft, fallen schon im Spätsommer erste Blätter ab. Wer verhindern will, dass die gefräßigen Motten sich vermehren, muss das Kastanienlaub schnell zusammenkehren.

(irz/top)