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Bahnstadtchefin Vera Rottes geht in den Ruhestand

Bahnstadtchefin geht in den Ruhestand : Vera Rottes segelt im Herbst davon

Die Frau, die die Bahnstadt-Entwicklung seit 2008 geprägt und vorangetrieben hat, geht in den Ruhestand. Bis dahin ist der Terminkalender voll. Gut so, sagt sie. Vera Rottes will keinen schleichenden Abschied und das weitere Bild der Bahnstadt so vorgezeichnet haben, dass ihre Nachfolger übernehmen können.

Dass die Bahnstadt ihr Lebenswerk ist, das könne sie unterschreiben, sagt Vera Rottes. „Es ist das Bedeutendste, an dem ich mitgestaltet habe.“ Deswegen schmerzt es sie ein bisschen, wenn sie durchs Quartier radelt und an Spielgeräten, Mülleimern, Bänken Vandalismusschäden und Abfälle sieht. Dann sammelt die Bahnstadtchefin auch selbst den Müll auf. „Ich hoffe sehr für die Opladener, dass das Quartier mit aufwändigen Bereichen und schönen Spielmöbeln lange so erhalten bleibt.“ Was nach Abschied klingt, wird einer: Vera Rottes wechselt in den Ruhestand. Letzter Arbeitstag: 31. Oktober.

„Es wird nicht so ein schleichender Abgang“, verspricht sie. „Je normaler der Arbeitsalltag bis dahin, desto besser.“ Betonung auf Arbeit. Denn die zierliche Frau will das Bild der Bahnstadt soweit vorgezeichnet haben, dass ihre Nachfolger – Alfonso López de Quintana und Andreas Schönfeld – problemlos übernehmen können. „Sie sind seit langem im Bahnstadtteam. So wird es personell keine großen Umbrüche geben.“ Für Vera Rottes wird die Umstellung vielleicht größer, wenn sie nicht mehr jeden Morgen in Köln in die Bahn ein- und in Opladen wieder aussteigt. Obwohl: Ganz hinter sich lassen wird die Diplom-Ingenieurin Leverkusen nicht. „Über die Jahre sind Freundschaften gewachsen. Ich komme wieder, besuche auch die Kollegen.“ Und: „Es sind doch nur 15 Minuten Zugfahrt.“

Die Nachfolger: Alfonso López de Quintana und Andreas Schönfeld (r.) übernehmen von Vera Rottes. Der Stadtrat muss noch zustimmen. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Zwölf Jahre zurück. Vera Rottes übernimmt eine Herausforderung: die Brachfläche zwischen Opalden und Quettingen, an der so mache Eisenbahner-Erinnerung hängt. Sie und ein Fünkchen Hoffnung, dass das Ausbesserungswerk nach der dramatischen Schließung 2003 doch wiederbelebt wird, sorgen für Gegenwind. „Die Anfangszeit war für die Gesellschaft nicht einfach. Wir wurden als Totengräber angesehen“, erzählt die Managerin. „Aber das hat sich gelegt.“ Durch Bürgerbeteiligung, intensive Öffentlichkeitsarbeit, Gespräche mit Bahnern, Gewerkschaftern, der Politik. Dass die Technische Hochschule angesiedelt wird, dass Werksgebäude erhalten geblieben sind, habe die Opladener überzeugt. „Dass Ihre Kinder hier studieren können, dass Fachkräftebindung entsteht, das ist ein Pfund.“ Mit der Firma Plasser und deren Ableger PMC Rail sei auch ein Stück Bahnstandort erhalten geblieben. „Mittlerweile gibt es in der Bahnstadt mehr Arbeitsplätze als es kurz vor der Schließung des Ausbesserungswerks gab.“

Die skeptischen Opladener wandelten sich zu engagierten Mitstreitern. „Sie kümmern sich intensiv um ihren Stadtteil. Das empfinde ich als unwahrscheinlich positiv. Sie sind uns auch mal auf den Fuß getreten. Zurecht.“ Kein Moment in den zwölf Jahren, wo sie hinschmeißen wollte? Rottes sagt: „Nein. Aber ein paar Mal habe ich gedacht, es muss etwas passieren, sonst gehen wir gnadenlos unter.“ Die schwierige Gütergleisverlegung war so ein Moment. „Da stand das Projekt auf der Westseite mehrmals auf der Kippe. Das wäre ein Verlust gewesen.“

Als Verlust empfindet die Politik den Ruhestand der Stadtplanerin. Im Finanzausschuss nutzte Sitzungsleiter Rudi Müller die Beratungen für eine kurze, herzliche Laudatio: „Frau Rottes, was für ein Glück, dass wir als Stadt Sie damals gefunden haben. Sie haben die nbso zu einem zukunftsweisenden Projekt entwickelt.“ Daraus könne Leverkusen lernen, wie man solche Vorhaben erfolgreich anpacke, spielte Müller wohl auf die bislang gescheiterte Sanierung der City C an. Um diesen Innenstadtbereich zu beleben, wird von der Politik immer wieder eine Entwicklungsgesellschaft ins Spiel gebracht. „Wir brauchen eine Rottes 4.0“, lobte Müller. „Frau Rottes, für mich sind Sie Unternehmerin des Jahres.“

Die Kölnerin will solch ein Lob nicht nur auf sich bezogen wissen. Sie spielt gerne im Team. Wir statt ich. So sagt sie: „Auch wir haben schon mal eine Couch zum Ausheulen gebraucht.“ Geliefert habe sie die Regionale 2010 mit Geschäftsführer Reimar Molitor. „Sie hat uns unendlich unterstützt.“

Und nun? Betreut Rottes bis Oktober ihr Lebenswerk weiter: „Die größten Baustellen wie Brückenpark und Europaallee werden 2020 fertig. Was sich hinausschiebt, sind private Investitionen wie das Bahnhofsquartier und Folgearbeiten wie das Bauen des Bruno-Wiefel-Platzes zwischen Bahnhofsbrücke und Bahnhofstraße“, sagt sie und nennt 2023 als Zielmarke. Bis dahin wird Rottes noch oft in den Zug nach Opladen gestiegen sein.