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Bahnhofsquartier Opladen: Investor will umplanen

Neue Bahnstadt Opladen : Bahnhofsquartier: Investor will umplanen

Wegen der Folgen der Corona-Pandemie hat sich Investor Momentum drei Monate Zeit erbeten, um die Planung anzupassen. Nachjustierung könnte es bei Handel, Hotel und Gastronomie geben. Bürgerliste fordert neuen Investor.

Drei Monate Atempause hat sich der Investor des Bahnhofsquartier erbeten. Um die Folgen der Corona-Pandemie für das Projekt einzuordnen. Das hat Jürgen Kelber von „Momentum Bahnhofsquartier Opladen“ in der Sitzung des Aufsichtsrates Ende Mai dem Gremium gesagt. Er habe eingeräumt, „dass durch die Pandemie ein Umdenken erforderlich sei, um die Planung nachhaltig aufzustellen. Zum Beispiel müsse geprüft werden, welche Entwicklung der Onlinehandel auf die Größe der Verkaufsfläche und auf das Sortiment hat“, berichtet Bahnstadtchefin Vera Rottes. „Alle aktuell vorliegenden Gutachten gehen von einem Verbraucherverhalten vor der Pandemie aus. Inwieweit das gleichgeblieben ist oder sich der Trend des Onlinehandels verstärkt fortsetzt, muss hinterfragt werden.“ Auch auf dem Prüfstand: die Frage von Arbeitsplatzdichten in Bürogebäuden und Raumstrukturen im Hotelbereich.

Was für die Bebauung der Westseite des „Jahrhundertprojekts“ Bahnstadt (Ex-Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn) nach Hiobsbotschaft klingt, ordnet Rottes anders ein. „Es ist ein Innehalten zum nachhaltigen Planen. Ich finde es beruhigend, dass der Investor sich diese Gedanken macht.“ Anders als andere Geldgeber: Derzeit könne man bei Projekten in der Region wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie beobachten, wie Investitionen ganz zurückgestellt werden. Dies sei fürs Bahnhofsquartier nicht der Fall. „Das Innehalten kommt zum richtigen Zeitpunkt, wie stehen vor dem Bauantrag und vor der Bebauungsplan-Anpassung“, sagt sie. „Mit Ausbruch der Pandemie wussten wir, es muss dieses Innehalten geben. Denn das große Problem ist, dass es keine Untersuchungen dazu gibt, die Investoren derzeit die Sicherheit geben, welche Entwicklungen es in den Bereichen Hotel, Gastronomie und Einzelhandel wegen Corona geben wird.“

Fest steht: Die geplanten 550 Wohnungen auf der Westseite wird es geben, ebenso einen „dringend gebrauchten Lebensmittelvollsortimenter. Beides ist unumstößlich“, betont Rottes. Es gehe aber um die Frage der Randsortimente, „ob etwa ein Elektromarkt in dieser Größe noch sinnvoll ist oder die Einzelhandelsflächen angepasst werden müssen“. Nachsatz: „Was niemand will ist, dass am Markt vorbeigeplant wird und es Leerstände gibt.“ In den Unterlagen für den Aufsichtsrat (liegen der Redaktion vor), heißt es, dass der Investor auf im Kaufvertrag festgehaltene Sortimente wie Elektro und Mode und die Einzelhandelsbespielung im Untergeschoss verzichten möchte. Folge: Es handelte sich dann nicht mehr um ein Einkaufszentrum wie geplant. Der Bebauungsplan müsste geändert werden. Folge dessen: Die Kaufpreise für die geplanten Quartiere fließen womöglich erst 2021 an die Stadt. Kleinteilige Laden- und Gastronomielokale hin zur Bahnhofstraße sollen erhalten bleiben, würden aber auf ihre Größe überprüft. Um die 60 Stellplätze sollen wegfallen. Es verblieben aber mehr als 300.

Unter der Lupe des Investors ist auch das Hotel, das mit 100 Betten geplant ist, berichtet Rottes. Geprüft werde in Abstimmung der Ausbildungsstätte der PMC Rail, die Fortbildungsteilnehmer aus der ganzen Welt in Opalden unterbringen muss, wie viel Bedarf an Betten darüber hinaus bestehe.

Die Bürgerliste fühlt sich durch die Überprüfung hinters Licht geführt. Fraktionschef Erhard Schoofs formuliert in einem Antrag: Die neuen Entwicklungen... sind so gravierend, dass sie die ursprünglichen Planungen, die auf breite Akzeptanz – auch bei den Bürgern – stießen, grundlegend und negativ verändern.“ Nicht der finanzielle Aspekt – „Kaufpreis von zehn Millionen Euro“ – sollte alleinige Basis für Planungsänderungen sein. Denn es gehe um die grundlegende Gestaltung „des Kernstücks“ Opladens. Die Bürgerliste fordert, dass die politischen Gremien das Investorenauswahlverfahren „dahingehend prüfen, ob nun nicht ein anderer der beteiligten Investoren mit der Realisation des Bereichs beauftragt werden soll/kann/muss oder ob eventuell das gesamte Plan- und Auswahlverfahren wiederholt werden muss“.

Rottes versichert hingegen, auch Kleber gehe es um ein nachhaltiges Konzept für Opladen. Darüber werde nun beraten: „Grundlage ist der Rahmen des vorliegenden Wettbewerbsbeitrages mit dem städtebaulichen Konzept von Kadawittfeldarchitektur. Dieses ist durch Verwaltung, Politik und insbesondere auch durch die Bürgerschaft so gut angenommen worden, dass daran keine nennenswerten Abstriche gemacht werden sollen.“ Kelber habe zugesagt, „im Hinblick auf den Ankauf des Grundstückes die für den städtischen Haushalt 2020 notwendige Kaufpreiszahlung mit einer signifikanten Rate zu bestätigen“. Rottes: „Der Investor ist auf dem richtigen Weg. Es wäre fatal, wenn er mit ,Augen zu und durch’ das Projekt genauso fortsetzen wollte wie vor Corona.“