Leverkusen: Bahnhof: Stadtchef sucht neue Investoren

Leverkusen: Bahnhof: Stadtchef sucht neue Investoren

Nach dem Rückzug der Bahn hat Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn angekündigt, Gespräche mit anderen möglichen Investoren aufzunehmen. Die Bahn erneuerte ihre Vorwürfe, gegen sie sei Stimmung gemacht worden.

Reinhard Buchhorn ist kein Mann, der gerne Zeit verliert: Insofern überrascht es auch nicht, dass Leverkusens Oberbürgermeister am Mittwoch - am Tag nach der Bekanntgabe der Deutschen Bahn, vom Bau eines Bahnhofsgebäudes für Wiesdorf sowie der Anmietung des Rialto-Boulevards zurückzutreten - bereits in die Zukunft blickte.

"Ich werde in den nächsten Tagen diverse Macher ansprechen, die als Investor für den Bau eines Empfangsgebäudes am Leverkusener Hauptbahnhof in Frage kommen", kündigte der Stadtchef an: Er werde "alle Hebel in Bewegung setzen, um Leverkusen an diesem zentralen Punkt der Stadt ein vernünftiges Entree zu verschaffen".

Die Möglichkeiten sieht Buchhorn auch in einer Variante, bei der die Stadt als Ankermieter drei oder vier Stockwerke des Gebäudes mit Büros belegt, für die an anderen Orten sowieso die Mietverträge auslaufen. Die Bahn müsse dann entscheiden, ob und wie viel Fläche sie selbst etwa im Erdgeschoss anmieten möchte. Wichtig sei noch herauszufinden, ob die Stadt oder ein privater Investor genauso viele Zuschüsse vom Land bekommen könnten, wie die Bahn.

Aus den weiteren Planungen hinsichtlich des Rialto-Boulevards will sich der Oberbürgermeister indes heraushalten: "Das ist Sache der Wohnungsgesellschaft Leverkusen, da werde ich nichts forcieren", erläuterte Buchhorn. Die Deutsche Bahn selbst bekräftigte gestern ihren Vorwurf, gegen sie sei Stimmung gemacht worden. "Ich mache meinen Job jetzt seit zwölf Jahren", sagte Michael Wollermann, Leiter des Bereichs Vermietung bei der DB Station&Services GmbH: " Aber noch nie habe ich erlebt, dass zu einem so frühen Zeitpunkt bereits Unterschriften-Listen gegen uns kursieren."

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Dabei sei es bisher nicht einmal um konkrete Planung gegangen, sondern nur um die Entwicklung einer Projektidee, die frühestens ab 2020 konkret geworden wäre, mit vielen Unwägbarkeiten, die sich bis dahin noch ändern können: "Doch schon haben wir aufgebrachte Mieter, die uns im Stadtrat angreifen." Wollermann, selbst ein Leverkusener, verweist auf ähnliche Projekte in anderen Städten, die bereits hervorragend liefen. Hier in Leverkusen jedoch werde der Bahn gezielt ein Imageschaden zugefügt.

Peter Ippolito, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, fühlt sich von solcher Kritik nicht angesprochen. Die Genossen hatten zuletzt einen Katalog mit kritischen Fragen zu dem Projekt veröffentlicht: "Und das muss bei einem Vorhaben von solchen Auswirkungen auch möglich sein", sagt der Politiker, der grundsätzlich auch die WGL in der Lage sieht, ein Bahnhofsgebäude zu erstellen. Überlegungen, das ein neues Gebäude aufzustocken, um dort Verwaltungseinheiten unterzubringen, sieht er wegen zu hoher Baukosten kritisch. Auch gebe es derzeit kein Unterbringungsprobleme für städtische Mitarbeiter.

Frank Schönberger, CDU-Parteichef und Vorsitzender der City-Werbegemeinschaft, plädierte gestern dafür, mit der Bahn noch einmal Gespräche aufzunehmen. Deren Rückzug halte er bei allem Verständnis für die Kritik der Bahn, doch für "etwas überstürzt".

(RP)
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