Bäckermeister lassen ihre Weihnachtsstollen prüfen

Bäckermeister aus der Region : Hier werden Weihnachtsstollen zu Kunstwerken

Karl-Ernst Schmalz unterzog rund 50 Stollen von verschiedenen Bäckern aus der Region einer strengen Prüfung.

Ist die Puderzuckerschicht dünn genug? Sind die Füllung und die Früchte schön gleichmäßig verteilt? Fragen über Fragen, die der unabhängige Prüfer Karl-Ernst Schmalz gestern zu beantworten hatte, als er in der Bäckerei- und Willeke, Lützenkirchener Straße 360, Stollen und Weihnachtsgebäck unter die Lupe nahm. Etwa 30 kostete er an einem Tag, um ein objektives Urteil abgeben zu können. Die übrigen 30 Gebäckstücke, die Bäckermeister aus Leverkusen, Rhein-Berg und Oberberg zur freiwilligen und öffentlichen Qualitätsprüfung vorgelegt hatten, mussten bis zum nächsten Tag warten.

Vor allem Stollen gehört in vielen deutschen Familien zu Weihnachten, wie Eier zu Ostern. So war das schon im 16. Jahrhundert, als der Stollen noch als „gehaltvolles, meist längliches und flach geformtes Gebäck aus süßem Hefeteig“ in deutschen Küchen Einzug hielt. Inzwischen bietet das süße Backwerk weit mehr als das, wie sich gestern zeigte. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, verdeutlichte Herbert Pieper aus Bergisch Gladbach.

Zwar werde immer noch traditioneller Stollen wie zu Großmutters Zeiten gebacken. Bevorzugt würden heutzutage jedoch andere, saftigere Sorten. Testesserin Regina Granzin schmeckte beispielsweise der Stollen mit Sauerkirschen und dunkler Kuvertüre aus dem Hause des Bäckermeisters Norbert Müller aus Overath besonders gut. „Köstlich“, beurteilte die Lützenkirchenerin, die sich mit einigen anderen Frauen jeden Dienstag bei Willeke trifft.

„In den letzten Jahren hat dieser Stollen immer mit sehr gut abgeschnitten“, erläuterte Müller und ergänzte: „Das sind Spezialitäten, die das Handwerk ausmacht. So etwas bekommen Sie nicht beim Discounter.“

Eine der größten Unterschiede zwischen Stollen vom Bäcker und vom Discounter sei die Zeit und die Liebe, die im Backwerk stecke. Der Preisunterschied begründe sich darin, dass bei örtlichen Betrieben noch mit der Hand gearbeitet werde. Personal sei nun mal teuer. Letztlich entscheide aber der Verbraucher, ob er handwerklich hergestellte oder industriell vorgefertigte Produkt haben wolle, sagte Stefan Willeke, Hausherr und stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung Bergisches Land.

Auf die Frage, was in einen guten Stollen gehöre, antwortete Obermeister Peter Lob: „Er muss mit Liebe gemacht sein. Außerdem braucht er ausreichend Zeit, etwa drei Stunden, zur Herstellung. Für den optischen Genuss sollte er außerdem schön verpackt sein. Schließlich verkaufen wir Leidenschaft und Essen mit Geschmack,“ begründete der Bäckermeister aus Bergisch Gladbach im Beisein seiner Kollegen