Azubisuche in Leverkusen: „Heute drückt man mal ein Auge zu“

Ausbildung bei der Sparkasse : „Heute drückt man mal ein Auge zu“

Mitte Mai öffnet die große Ausbildungsmesse Bob ihre Türen. Vorab ist sie auf Tour bei regionalen Unternehmen.

Die Osterferien haben begonnen, viele Abiturienten gehen alsbald in die letzten Wochen ihrer Schulzeit. Und danach? Die Gedanken an die anstehende Arbeitszeit beschäftigen junge Menschen immer länger, berichtet Hans-Dieter Clauser. Schließlich hinterfragten Generationen der heutigen Zeit Arbeit, Freizeit und Gesellschaft sehr stark. 2012 rief der heute 68-Jährige daher die Berufsorientierungsbörse (Bob) in Langenfeld ins Leben. Am Mittwoch, 15. Mai, sind erstmals die Stadt und die Leverkusener Sparkasse vertreten.

Das Kreditinstitut ist immer noch ein beliebtes Ziel für Menschen, die eine Ausbildung suchen, Bankkaufmann und -frau ein gefragter Beruf. Doch auch einer der größten Arbeitgeber der Stadt kann sich ein hartes Auswahlverfahren nur noch bedingt gestatten. „Wir können es uns nicht mehr erlauben, stark auszusieben“, berichtet Ausbilderin Alexandra Krupa. Vor einigen Jahren noch habe das Augenmerk auf Noten und der sozialen Kompetenz gelegen. Das sei heute zwar immer noch so, doch beim Blick aufs Zeugnis „drückt man heute mal ein Auge zu“, wie Krupa erzählt. Früher habe der Bewerbungsprozess nur drei Wochen gedauert, heute sei gar zum 1. September noch eine Stelle frei.

Eine Veränderung, die wohl eng mit dem Generationenwechsel in Verbindung gebracht werden kann. Die Generation Y steht für junge Menschen, die sich selbst und den Sinn des Lebens hinterfragen. Arbeitgeber müssten mittlerweile auf den Nachwuchs zukommen, bekräftigt Sparkassen-Chef Rainer Schwarz. Gerade in der digitalen Struktur rüstet die Sparkasse daher auf, Azubis erhalten Tablets, auf denen sie Lerninhalte in Videoform jederzeit abrufen können. „Wir prüfen auch, ob mobiles Arbeiten umsetzbar ist“, erzählt der 53-Jährige. Das heimische Arbeiten gehört zur eingeforderten Flexibilität.

Vielleicht auch wegen dieser Aussichten zog es Julia Moll und Deniz Can Kaya in die Ausbildung zur Bankkauffrau und zum Bankkaufmann. Gleichwohl, erzählt die 20-jährige Moll, habe sie durchaus einige Vorurteile gehabt. „Ich dachte, das wäre für die Elite, für Schüler mit den besten Zeugnisse“, sagt sie. Das habe sich nicht bestätigt.

Kaya ist einer von vielen Studienabbrechern in Deutschland. Die Volkswirtschaftslehre war am Ende doch nicht das Richtige für ihn, hat er erkannt. Bereut hat er diesen Schritt nicht: „Das war immer eine Option.“

Mehr als 20.000 Studiengänge stehen zur Verfügung, viele brechen ab. Hans-Dieter Clauser ist es daher um so wichtiger, jungen Menschen auf seiner Orientierungsbörse eine Richtung aufzuzeigen. Mit über 100 Ausstellern erreicht der gastgebende Verein „Bobplus“ große Reichweite. „Es geht vor allem darum, Orientierung zu bieten“, betont Clauser. Arbeitsverträge seien eigentlich nur ein „Abfallprodukt“.

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