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Ausstellung im Erholungshaus: Junge Malerei in Leverkusen sprengt die Leinwand.

Ausstellung im Erholungshaus : Junge Malerei sprengt die Leinwand

Studenten der Malerei-Klasse von Pia Fries haben die Zweidimensionalität überwunden und zeigen ihre Arbeiten im Erholungshaus.

Seit 2009 sind bei Bayer Kultur „Kunsthochschulen zu Gast“. Am Sonntag um 11 Uhr wird eine Ausstellung von 16 Studenten der Malklasse Pia Fries an der Akademie der Bildenden Künste München eröffnet. Der Titel „Differenzen“ weist darauf hin, dass hier jeder einzelne möglichst individuell gefördert wird.

Diese Vielfalt sei ihr besonders wichtig, sagte die Professorin beim Rundgang, der keineswegs die klassische Erwartungshaltung von Malerei erfüllt. Gerahmte Bilder auf Leinwand wie die Großformate von Andreas C. Steindl sind hier sogar die Ausnahme. Fast alle haben die Leinwand gesprengt, in unterschiedliche Richtungen und mit verschiedenen Medien und Techniken. Alexia Trawinski hat im Obergeschoss eine lange Wand für sich beansprucht und ihre im Atelier entstandenen körperhaften Zeichnungen wie Fragmente mit viel Zwischenraum verteilt und vor Ort mit der Sprühdose im Schnellverfahren fortgesetzt.

Auch Martin Huber, der sich bei den Farbtönen auf die Nuancen zwischen Schwarz und Weiß beschränkte, begnügte sich nicht mit dem aufgezogenen Rechteck, sondern verband zwei Leinwände mit darüber gelegter Papierbahn, die sich bis auf die Wand ergießt. Und die streng geometrischen räumlichen Formen von Charlotte Giacobbi öffnen sich beim Nähertreten nach hinten. Denn sie verwendete statt dichtem Leinen einen transparenten Gazestoff, der nur zum Teil blickdicht mit Farbe getränkt ist und an anderen Stellen Durchblick auf die Wand mit Schattenlinien gewährt, oder auf den farbigen Rahmen, der in diesem Fall vom Malgrund umhüllt wurde. Andere gingen noch weiter bei ihrer malerischen Auseinandersetzungen mit Raum und Materialität. So hat Simon Dorfner seinen Vater, einen Schreiner, auf dem großen Schleifpapierbogen porträtiert, der Spuren seiner Arbeit trägt. Und Jonas Pretterer, von dem oben auch sehr bewegte Zeichnungen von organischen Verknotungen zu sehen sind, Papierbahnen mit blauen Farbstreifend überlappend aufgehängt und den Enden die Freiheit gelassen, sich in den Raum hineinzuwellen. Dieses sinnlich-stoffliche Ergießen des eigentlich starren Malgrunds hat Aron Herdrich mit Hilfe eines Gerüsts ganz frei gestellt.

Lukas Hoffmann hat das Erschließen der dritten Dimension perfektioniert zu einer Art Bühnenbild, in dem sich der Betrachter anhand weniger Gegenstände eine Handlung vorstellen mag. Seine Arbeit erschließt sich erst beim Umrunden, denn zunächst sind die Gegenstände hinter geschwungenen Trennwänden verborgen. Pengfei Lin baute eine Schublade, die als Rahmen für sein Gemälde vom lebendigen Baum dient, aus dessen Holz er sie fertigte. Der Prozess ist im Video festgehalten. Eine weitere interessante Position ist der hochkant gestellte, malerisch gedeckte Tisch von Theresa Hecker.