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Ausstellung 40 Jahre Frauenhaus in Leverkusen

Ausstellung 40 Jahre Frauenhaus : Letzte Zuflucht im Strudel der Gewalt

Barbara Gorel suchte vor 40 Jahren als erste Frau Schutz im Leverkusener Frauenhaus. Jetzt organisierte sie eine Ausstellung in der Stadtbibliothek.

Sie ist ein kreatives Energiebündel, ständig voller Ideen und neuer Einfälle. Mit einem Wort: eine Macherin. Doch es gab auch schon mal andere Zeiten im Leben von Barbara Gorel. Vor genau 40 Jahren war sie die erste Frau im gerade neu gegründeten  Leverkusener Frauenhaus. Sie kam damas  aus dem Sauerland, und flüchtete mit zwei Kindern vor einem gewalttätigen Ehemann. Keine Rede davon, dass sie diese Zeit dort am liebsten vergessen würde. „Damit gehe ich natürlich nicht hausieren, aber es ist mein persönliches Jubiläum und damit abgehakt“, sagt sie am Rande der Kunstausstellung „Bella Donna – wilde Mädchen – starke Frauen“, die am Donnerstag unter Mitwirkung des Rockchores 60+ und des Budoclubs Leverkusen eröffnet wurde.

„Ich glaube, dass die Zeit mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin“, sagt Gorel und ist überzeugt, damals Glück im Unglück gehabt zu haben. Denn in Karla Schmidt-Jahn, Familientherapeutin und Mitglied Arbeitskreis Öffentlichkeit im Frauenhaus Leverkusen, fand sie mehr als nur eine Mitstreiterin. „Sie war für mich lebensrettend“, sagt Gorel über Schmidt-Jahn. Umgekehrt wundere sie sich noch heute über Gorels Wandlung, sagt Schmidt-Jahn. „Wie Phönix aus der Asche hat sie sich erhoben“, preist sie die Freundin bei ihrer Laudatio, „diese Frau war nicht mehr zu bremsen.“ Später wurde Gorel die erste Frau in Deutschland, die eine Scheidung aus der Ferne erreichte. Und dann ging es Schlag auf Schlag weiter: Hauptschul-Abschluss, Mittlere Reife, Fachabitur, Berufsausbildung, Karriere bei Bayer und schließlich – mit knapp 40 Jahren – Psychotherapie-Fernstudium sowie 20-jährige Tätigkeit in eigener Praxis. Aktuell ist sie unter anderem als Tanz- und Ausdruckspädagogin, Tänzerin und Choreographin sowie als Bildende Künstlerin bei der Arbeiterwohlfahrt Leverkusen beschäftigt.

Mit den ersten Vorbereitungen für die Ausstellung hat sich Gorel vor zwei Jahren beschäftigt. Auch im Frauenhaus hat sie ihre Idee vorgestellt, ist dort aber nicht auf Gegenliebe gestoßen. „Es ist zwar nicht unsere Veranstaltung“, kommentiert Frauenhaus-Mitarbeiterin Jaqueline Tombeux, „grundsätzlich ist es aber immer gut, wenn auf das Thema hingewiesen wird.“ Ein Frauenhaus sei ein absolut wichtiger Zufluchtsort, bestätigt Barbara Gorel. „Wo sollte man sonst hin, wenn man dringend Schutz braucht?“, weiß sie aus eigener, bitterer Erfahrung.

Heute sagt sie von sich: „Die Kraft und Energie, die mich immer wieder antreibt, ziehe ich aus meiner Persönlichkeit und Neugier auf alles, was das Leben bietet. Ich liebe das, was ich tue und die Menschen, mit denen ich lebe und arbeite. Meine Intuition sagt mir, was in diesem Moment das Beste für mich ist.“

Ihre Lebensenergie drückt sich nicht zuletzt in ihren Bildern aus. Es sind vor allem kraftstrotzende Frauen, die wie die „Tigerlady“, wissen, dass sie alles erreichen können und ihren Blick unbeirrt nach vorne richten. Barbara Gorel sagt über sich aber auch: „Ich bin die Frau, die auf dem Regenbogen herunterrutscht und am Ende jedes Mal auf einer weichen Wolke landet, die immer die guten Seiten des Lebens sieht.“ Das glaubt man ihr aufs Wort.