Leverkusen: Aus für Märkte in Lützenkirchen/Küppersteg?

Leverkusen : Aus für Märkte in Lützenkirchen/Küppersteg?

Die Stadt will die Gebühren für Marktstände stark anheben – Politiker regt Nachdenken über ständige Markthalle an

Die Stadt will die Gebühren für Marktstände stark anheben — Politiker regt Nachdenken über ständige Markthalle an

Die Zahl der Marktbeschicker nimmt auf den Wochenmärkten in Leverkusen kontinuierlich ab. Trotzdem muss die Stadtverwaltung jetzt an der Gebührenschraube drehen: Die Händler sollen ab 1. April drei Euro pro Meter Verkaufsstandlänge bezahlen. Damit wird Leverkusen deutlich über dem Gebührenniveau liegen, das in Köln und Leichlingen gilt. Bisher gilt in Leverkusen ein Meterpreis von rund 2,20 Euro.

Mit der Erhöhung könnte das langsame Sterben der Freiluft-Kaufhäuser an Tempo zunehmen, sagten Politiker im Bürgerausschuss. Der Stadt bleibe keine Wahl, entschuldigte sich die zuständige Amtsleiterin Michaele Drescher: Weniger Händler bedeute eben, dass die städtischen Kosten von rund 200 000 Euro pro Jahr von weniger Leuten bezahlt werden müssten.

Im Ausschuss ging es am Montag speziell um die geplante Anhebung der Standgebühren. Würde die Stadtverwaltung konsequent alle Kosten der vergangenen Jahre einbeziehen, dann müsste der Meterpreis sogar bei 3,70 Euro liegen. 2011 machte die Stadt beim Wochenmarktgeschäft einen Verlust von rund 35 000 Euro, ein Jahr zuvor waren es fast 40 000 Euro. Ein paar weitere Zahlen, um die negative Entwicklung deutlich zu machen: Vor sechs Jahren kassierten die städtischen Marktmeister noch Gebühren für rund 84 000 Meter Verkaufsfront. In diesem Jahr werden es nach bisheriger Prognose fast 20 000 Meter weniger sein.

Vertieft diskutiert wurde die Wochenmarkt-Situation von den Kommunalpolitikern nicht. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Ippolito ("Ich gehe nicht auf Märkte") sagte nur: "Das Einkaufsverhalten hat sich verändert." Man müsse grundsätzlich über den Bau einer Markthalle in Leverkusen nachdenken, in der täglich die Stände geöffnet seien. Ob das realistisch ist? In fast jedem Supermarkt wird Gemüse, Obst, Brot, Fisch und Fleisch angeboten. In relativ großen Mengen und mit exotischem Angebot. Inzwischen kann der Kunde frische Lebensmittel auch sehr komfortabel bei den Bauernläden einkaufen. Der geschätzte Vorteil: Vor diesen Geschäften kann man problemlos und kostenfrei parken — ohne Angst vor Knöllchen. Das lieben die Kunden und änderten auch deshalb ihr Kaufverhalten.

Dabei geht es nicht nur den von der Stadt organisierten Wochenmärkten schlechter. Die privat veranstalteten Märkte in der City erreichen nicht ansatzweise die Größe, die früher die Märkte auf dem Wiesdorfer Marktplatz hatten. Dafür lockt in Opladen der (private) Frischemarkt (Samstag) in der Fußgängerzone und donnerstags der weithin bekannte Markt auf dem Opladener Marktplatz.

Die Stadt denkt jetzt über eine Privatisierung oder Aufgabe der Wochenmärkte Rheindorf, Lützenkirchen und Küppersteg nach. Diese Märkte sind besonders teuer, weil jedes Mal ein Toilettenwagen aufzustellen ist. Allein dieser vorgeschriebene Service verursacht Kosten von 58 000 Euro pro Jahr. Möglicherweise erklären sich die Betreiber der anliegenden Kneipen oder Geschäfte bereit, gegen Gebühr ihre WC-Anlagen an Markttagen für Marktbeschicker und Besucher zu öffnen.

(RP)
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