Leverkusen: Aus dem Gerichtssaal direkt in die Psychiatrie

Leverkusen : Aus dem Gerichtssaal direkt in die Psychiatrie

Zu 18 Monaten Haft wurde ein 36-jähriger Drogenabhängiger verurteilt. Vorerst muss er aber nicht ins Gefängnis.

Kurz nach seiner Haftentlassung soll ein 36-Jähriger in Leverkusen erneut durch einige kriminelle Handlungen auffällig geworden sein. Nur 25 Tage lagen zwischen seiner Freilassung und der erneuten Festnahme. Gestern nahm sich das Amtsgericht Opladen des Falls an.

Demnach habe der Beschuldigte am 8. Januar das Fenster einer Wohnung im Erdgeschoss an der Friedhofstraße in Rheindorf aufgehebelt - und sich somit Zutritt verschafft. Jedoch habe er dabei solchen Lärm verursacht, dass die Dame des Hauses auf ihn aufmerksam wurde. Der Mann sei schlussendlich ohne Beute geflohen. Im Laufe des Tages suchte er dann eine Filiale der Drogeriemarktkette Rossmann auf. Dort entwendete er Parfüm im Wert von insgesamt rund 197 Euro.

Nur eine Woche darauf habe er laut Anklage in Küppersteg einen BMW im Wert von 40.000 Euro gestohlen. Das Auto sei offen gewesen, der Schlüssel habe gesteckt. Um 13 Uhr des selben Tages habe ihn die Polizei in Rheindorf entdeckt. In Eile habe der Mann das Fahrzeug gewendet. Während seiner Flucht sei er auch von der Straße abgekommen und in eine Baustelle gefahren, in der er einen kleineren Sachschaden anrichtete - schließlich flüchtete er zu Fuß, ehe ihn die Beamten festnahmen.

Die Taten gab der 36-Jährige zu. Sie beruhten, so sagte er, auf der Angst vor etwaigen Entzugserscheinungen. Im Alter von 16 habe er Ecstasy konsumiert, mit 18 spritzte sich der Mann Heroin. Eine Gefängnisstrafe hatte sich somit nicht vermeiden lassen - über zwei Jahre verbrachte er in der JVA. Dort war er mit Methadon behandelt worden.

Die Behandlung stoppte danach allerdings abrupt: "Ich habe draußen keinen Arzt gefunden - deshalb musste ich es mir auf der Straße besorgen", erklärte der Beschuldigte dem Gericht. Schon kurz nach dem Aufwachen habe er sich "gesund machen" müssen.

Dass er seine Taten bereut, war ihm zu jeder Zeit anzumerken. Während der halbjährigen U-Haft hatte der 36-Jährige daher verschiedene Therapieeinrichtungen angeschrieben. In Gelsenkirchen sei die Aussicht auf einen Platz recht hoch. Darüber hinaus legte er sich einen Lebensplan zurecht. So wolle er eine Entgiftung machen und anschließend nahtlos eine Therapie besuchen.

Der Zeitraum nach seiner Entlassung Ende des vergangenen Jahres habe ihm die Augen geöffnet, betonte der Angeklagte. "Ich habe es mir viel zu einfach vorgestellt. Ich werde jede Hilfe annehmen, die ich bekommen kann - anders geht es nicht", beteuerte er.

Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr und sechs Monate. Eine Strafe, die zwar nicht zur Bewährung, deren Vollzug dennoch ausgesetzt werden könne. Solange er engmaschig und kontrolliert den aufgezeichneten Weg beschreite. Dem kam das Gericht so dann auch nach. Noch gestern ließ sich der 36-Jährige in die LVR-Klinik in Langenfeld einweisen. Von dort muss sein Weg nun fortgesetzt werden - kontrolliert durch das Gericht.

(brü)