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Leverkusen: Auf zwei Rädern durchs Niemandsland

Leverkusen : Auf zwei Rädern durchs Niemandsland

Mit starken Beinen und ohne Zeitdruck hat sich das Leverkusener Paar Elis Martinelli und Lukas Werner auf den Weg gemacht. Auf dem Fahrrad führte ihre Reise über den Balkan in den Iran.

Kaum zurück in Leverkusen, geht es für Lukas Werner und Elis Martinelli auch schon wieder los. Seit April 2017 radeln die beiden 24-Jährigen mit ihren Drahteseln durch die Welt. "So nimmt man viel mehr wahr als mit dem Auto", sagt Lukas. Außerdem sei diese Art zu Reisen viel besser für die Umwelt. Das junge Paar genießt die dadurch gewonnene Unabhängigkeit und fährt auch schon mal große Umwege - etwa um auf einem bulgarischen Dorffest zu tanzen. "Wir werden lustigerweise total häufig auf Deutsch angesprochen, man sieht uns das wohl irgendwie an", witzelt Lukas. Kein Wunder bei seinen rötlichen Haaren und blauen Augen. Elis hat dunkle Haare und grüne Augen. "Und eine perfekte Nase", wie sie hinzufügt. Das habe ihr im Iran viele Komplimente eingebracht - dem Land mit den meisten Nasenkorrekturen.

Dorthin geht es für die beiden nun per Anhalter zurück. "Unsere Räder haben wir bei einem Freund in Isfahan gelassen", erzählt Lukas. Bis in die Stadt im Zentraliran sind die beiden innerhalb von acht Monaten geradelt. Seit November hatten sie eine Verschnaufpause eingelegt, um Elis Eltern in Rom, Freunde und Lukas Familie zu besuchen.

Das junge Paar kennt sich seit vier Jahren. "Unser Kennenlernen war schon irgendwie romantisch", schwärmt Lukas. Während er als Ferienjob auf der toskanischen Insel Isola del Giglio an einem deutschen Institut für Meeresbiologie arbeitet, macht Elis dort gerade ihren Tauchschein. Sie gehen zusammen tauchen und in einer großen Gruppe essen. "Da habe ich ihr extra einen Platz neben mir frei gehalten", erzählt der 24-Jährige. "Wir haben dann beide Biologie studiert, aber ich in Kiel und Lukas in Köln", sagt Elis. Ohneeinander wollen sie nicht und entschließen sich für eine Fernbeziehung, planen aber bereits eine große Reise nach dem Bachelor. "Wir interessieren uns für Naturschutz - und das können wir bei Projekten überall auf der Welt".

Im April 2017 treten die beiden dann in die Pedale. Gemeinsam mit Lukas Familie. "Am Liebsten wären wir immer weiter mitgefahren", beschreibt Loremarie, Lukas Mutter, den schweren Abschied in Köln. Ab da geht es für Elis und Lukas zu zweit weiter - über Serbien, Ungarn, Rumänien an der Küste Bulgariens bis in die Türkei und von dort in den Iran. Nur selten tauschen die beiden ihre Räder, um etwa unwegsames Gelände oder Gewässer per Zug oder Boot zu überqueren.

Neben einem besseren Verständnis für die Umwelt haben beide gelernt, dass Vorurteile oft nicht stimmen. In Serbien warnt das Auswärtige Amt etwa vor Diebstahl. "Dort sind alle total gastfreundlich", widerspricht Elis, "ein Mädchen hat uns Käse geschenkt". "Und wir haben natürlich ganz viel Rakija-Schnaps bekommen", fügt Lukas grinsend hinzu. Generell ist Elis von der Freundlichkeit vieler Menschen überrascht.

Alkohol bekommen sie im Iran zwar weniger angeboten, erzählt Elis, aber dafür werfen Straßenhändler ihnen das Obst quasi hinterher. Mittlerweile tragen Lukas und Elis silberne Ringe am Finger - aber nicht weil sie verheiratet sind. "Ein Freund, der Schmied ist, hat uns die geschenkt", sagt Lukas. Deshalb würden viele im Iran annehmen, dass sie verheiratet wären. "So richtig haben wir noch nicht widersprochen", gibt er lachend zu, so könnten sie etwa gemeinsam in einem Zimmer schlafen. Auch ihren Kleidungsstil haben sie hier angepasst: Elis trägt langärmlige Kleidung, über den Haaren ein Schlauchtuch - darüber den Fahrradhelm. "So etwas hat auch mit Respekt vor der Kultur zu tun", ist sie überzeugt. Viel zum Leben braucht das Pärchen unterwegs nicht. "Die beiden sind aber auch extrem genügsam. Denen reicht Knäckebrot mit Erdnussbutter", merkt Lukas Mutter an. Sparsam leben sie, indem sie auf ihrer Reise meist selber kochen und im Zelt schlafen.

Sorge wegen der politischen Situation in einigen Ländern hatten sie bisher nicht. Auch nicht, wenn es bald Richtung China geht. "Als Tourist ist man meist auf der sicheren Seite", sagt Lukas. Außerdem würden sie häufig durch unbewohntes Niemandsland radeln. "Wir machen hier ja keinen Städtetrip", ergänzt Elis lachend. Das große Ziel des jungen Pärchens ist Australien. "Aber wir haben keinen Zeitdruck", stellt Lukas klar.

(RP)