Leverkusen: Atemnot - lieber leben statt nur reden

Leverkusen: Atemnot - lieber leben statt nur reden

Die Selbsthilfegruppe Atem hat zum Infotag zur Krankheit "COPD" geladen und war überwältigt vom Zulauf: Mehr als 500 Interessierte kamen ins Forum. In Leverkusen könnte nach Schätzung 16.000 Menschen an COPD leiden.

Wie es ist, tagtäglich das Gefühl zu haben, bei der kleinsten Anstrengung zu ersticken, kann sich keiner vorstellen, der nicht von COPD betroffen ist. Eine unheilbare, zum Teil noch sehr unbekannte Krankheit, die am Samstag im Forum im Fokus eines großen Informations- und Aufklärungstages stand.

Rund 500 Besucher zog es zum 5. Leverkusener COPD-Tag, organisiert von der örtlichen Selbsthilfegruppe Atmen. Verschiedene medizinische Aussteller und Produzenten lebenswichtiger Atemgeräte waren hier ebenso vertreten wie die Selbsthilfegruppe selbst, spezielle Lungensportangebote und Versicherungen. Auf der Bühne wechselten sich in regelmäßigen Abständen die Redner ab, die in informativen Vorträgen neue Erkenntnissen und Therapieansätze mit den Anwesenden teilten. "Großartig", urteilte Besucherin Kirsten-Antje Reinheimer anerkennend. "Ich habe heute viel gelernt."

Die 73-jährige Gladbacherin, die schon lange mit der Krankheit zu kämpfen hat, trat erst in diesem Monat der Selbsthilfegruppe in Leverkusen bei. "Normalerweise bin ich kein Gruppen-Mensch, aber ich habe festgestellt, dass mir die Selbsthilfegruppe hier sehr guttut. Es ist eine schöne Gemeinschaft mit großartigen Menschen."

47 Mitglieder gehören dem Zusammenschluss an, der keine gewöhnliche Selbsthilfegruppe sein will. "Wir sitzen eigentlich nicht im Kreis und reden über unsere Krankheit. Wir wissen, wie es uns geht", berichtet Josef Brandl, Vorsitzender der Gruppe Atmen. Stattdessen bemüht sich der Zusammenschluss, Aktionen und Ausflüge zu organisieren, um einfach das Leben, trotz unheilbarer Atemnoterkrankung, in vollen Zügen zu genießen.

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Der COPD-Tag in Leverkusen, der alle zwei Jahre von der Gruppe organisiert wird, richtete sich nicht nur an Betroffene und Angehörige. Der Aktionstag soll eine breite Öffentlichkeit aufklären, die nur wenig über die Krankheit weiß. Selbst Betroffene erfahren erst spät, dass sie selbst an dieser Krankheit leiden, sagt Brandl.

In Leverkusen dürften es laut Schätzungen etwa zehn Prozent der Einwohner sein - also mehr als 16.000 Menschen mit COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disase, dt. chronisch einengende Lungenerkrankung). Hauptursache für diese Krankheit sei das Rauchen, "wobei sicherlich auch andere Umwelteinflüsse oder eine genetische Prädisposition dafür nicht außer Acht zu lassen ist", sagt Brandl. Der 65-Jährige leidet seit 14 Jahren an COPD, trägt stets ein Atemgerät bei sich, dass ihm bei der Sauerstoffversorgung seines Körpers hilft. "2004 bin ich zum ersten Mal zum Arzt gegangen wegen Atemnot", erzählt der Vorsitzende. "Als ich dann die Diagnose bekam, konnte ich nichts damit anfangen."

Erst als das Atemgerät notwendig wurde, beschäftigte sich Brandl erstmals etwas intensiver mit der chronischen Krankheit. Diese ist aktuell zwar unheilbar, doch mit Medikamenten und speziellen Lungensport lässt sich das Fortschreiten deutlich verlangsamen und eindämmen. Dennoch ist jede körperliche Belastung eine Qual. "Das fängt schon beim Aufstehen an, Zähneputzen, Anziehen. Da muss man sich jeden Schritt vorher überlegen, Kraft sammeln und Luft holen." Wichtig sei es, "den Kopf nicht hängenzulassen und weiter am Leben teilzunehmen". Das ist auch das Motto der Selbsthilfegruppe "Lebensfreude trotz(t) Atemnot."

Gruppen-Mitglieder Karin Rausch und Gerd Wiegang freuten sich über die große Besucherzahl. "Das ist einer der besucherstärksten Tage", sagte Rausch. Der 69-jährige Wiegang, der seit fünf Jahren auf das Sauerstoffgerät angewiesen ist, würde sich wünschen, dass Allgemeinmediziner und Bevölkerung besser aufgeklärt wären und sich die Politik mehr für die Feinstaubverordnung einsetzte. Er betont: "Für uns ist das ein lebenswichtiges Thema."

(RP)
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