Apotheker ohne Grenzen helfen in Mosambik

Apotheker ohne Grenzen : Zyklon verursacht „stille Katastrophe“

Petra Nolte, Apothekerin aus Leverkusen, ist in Mosambik im Hilfseinsatz, einem der ärmsten Länder weltweit.

Sie half schon beim Erdbeben auf Haiti und in Nepal, war im Flüchtlingslager in Bangladesch zur Stelle, ebenso wie beim Einsatz an der türkisch-syrischen Grenze. „Also überall dort, wo es rummelt“, fasst Petra Nolte zusammen. Angst kennt die 36-jährige Apothekerin aus Hitdorf nicht. Aber sie hat „Respekt vor dem, was ich tue.“

Erst kürzlich kehrte die zweite Vorsitzende des 1900 Mitglieder zählenden Vereins „Apotheker ohne Grenzen“ aus Mosambik zurück. Dort war sie, um zu prüfen, was es nach Wirbelsturm „Idai“ noch zu tun gibt. Denn das Katastrophenteam ihrer Organisation beobachtet nicht nur das Weltgeschehen, sondern ist mit 300 geschulten Einsatzkräften immer dann vor Ort, wenn sich eine Krise anbahnt. „Mosambik ist eines der ärmsten Länder, in dem ich je war“, berichtet sie nach ihrer Rückkehr erschüttert. Als wäre das nicht schon schlimm genug, zerstörte der Zyklon auch noch die komplette Ernte und riss vermutlich mehr als 1000 Menschen in den Tod. Petra Nolte ist sich der Gefahren des Einsatzes bewusst, und  empfindet zugleich eine besondere Verpflichtung für diesen vergessenen Teil Afrikas: „Mosambik liegt mir so sehr am Herzen, weil es sich hier um eine sogenannte ‚Stille Katastrophe‘ handelt.“

Petra Nolte aus Hitdorf mit einem Mitarbeiter des Vereins Navis im Katastrophen-Einsatz in Mosambik. . Foto: Apotheker ohne Grenzen

So werden Krisen bezeichnet, die weniger Opfer als große Katastrophen fordern und geringere Schäden verursachen – doch die tatsächliche Dimension für Betroffene ist enorm. Dennoch bleiben diese „Stillen Katastrohen“ unbeachtet auf der Welt, sie geschehen im wahren Wortsinn im Stillen. Noch dazu fehlen – im Vergleich zu den Millionen, die nach dem Brand von Notre Dame geflossen sind – dringend benötigte Spendengelder. Damit wäre zumindest eine grundlegende humanitäre Hilfe möglich.

„Wir (Apotheker ohne Grenzen) und andere Hilfsorganisationen sehen das anhand der geringen medialen Aufmerksamkeit und den damit kärglichen Spendeneingängen im Vergleich zum Ausmaß der Katastrophe“, bedauert die promovierte Apothekerin, die als Laborleiterin bei einem französischen Pharmakonzern angestellt ist und sich in ihrem Verein bereits seit 2007 engagiert. Also bleibt dem gemeinnützigen Verein nur die Möglichkeit, auf einen eigenen Nothilfefond zurückzugreifen. Nur so kann es gelingen, einige medizinische Teams zu unterstützen, die pro Tag mindestens 150 Personen behandeln und mit dem Nötigsten versorgen.

„Dennoch sehen wir einen riesigen Bedarf“, sagt die Hitdorferin, die als Fachberaterin für Psychotraumatologie gelernt hat, psychische Belastungen nicht mit nach Hause zu nehmen. Überhaupt bezeichnet sie sich als „ganz normale Frau“ mit den Hobbys Sport und Musik. Trotz allem steht für sie fest: „Auf die Arbeit möchte ich ungerne verzichten. Denn sie ist ein Teil von mir und meinem Leben.“

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