Leverkusen: Anlieger der Autobahn durch Pläne verunsichert

Leverkusen : Anlieger der Autobahn durch Pläne verunsichert

24 Grad im Schatten, ein laues Lüftchen: Susanne Binder genoss die sommerlichen Temperaturen gestern in ihrem Garten. Zwischen der Hollywoodschaukel und dem Beet, in dem sie Tomaten und Kürbisse anpflanzt, ließ es sich die 68-Jährige gut gehen. Doch die Freude war getrübt. Denn Binder wohnt an der Marienburger Straße. Direkt neben der Stelzenautobahn.

Und dort herrscht seit ein paar Tagen helle Aufregung. Das Gespenst der möglichen Enteignung der Anwohner, das SPD-Fraktionschef Peter Ippolito in den Raum geworfen hat, um eine gigantische A 1-Stelzenautobahn zu bauen, geistert durch die Siedlung. "Ich glaube echt, ich bin im falschen Fim", poltert Binder. "Wir haben das Haus 1978 gekauft, saniert, alles schön und gemütlich gemacht — und jetzt droht uns, das alles abzugeben? Ganz sicher nicht", sagt sie resolut und verschränkt die Arme vor der Brust.

Die brodelnde Gerüchteküche macht der 68-Jährigen Angst. "Wir werden immer älter und der Wohnort hier ist ideal", erklärt Binder. "Wir sind nah am Zentrum, haben eine gute Busverbindung — wir wollen hier nicht weg!"

Weg möchte auch Monika Wotzka nicht. Die 57-Jährige ist vorgestern aus dem Urlaub nach Hause gekommen, hat die Hiobsbotschaft der drohenden gigantischen Brückenanlage am Kiosk gehört. "Na klar, das macht mir Angst", gibt die Anliegerin der Stelzenautobahn zu. "Ich wohne hier nur zur Miete, aber das schon sehr lange. An die Autobahngeräusche haben wir uns gewöhnt und ich weiß auch gar nicht, wieso die neue Bahn um so viel größer werden soll. Das will mir nicht in den Kopf." Die 57-Jährige will sich jetzt "erstmal genau informieren und mit den Nachbarn sprechen. Vielleicht müssen wir uns da einfach auch Gehör verschaffen."

Damit läuft sie bei Susanne Binder offene Türen ein. Sie ist sehr entrüstet über die Pläne, von denen sie auch nur aus der Zeitung erfahren hat. "Die machen hier mit uns, was sie wollen. Wenn sie Geld rauswerfen wollen — bitteschön, ich kann der Stadt gerne meine Bankverbindung geben. Aber mich aus meinem Haus rauswerfen, das wird niemand schaffen." Binders Mann denkt da eher pragmatisch: "Das Problem ist ja, dass wir für unser Eigentum gar nichts mehr bekommen werden, wenn erstmal die Stelze im Garten steht", gibt der 71-Jährige zu bedenken.

(RP/top)