Amtsgericht Leverkusen: Streit ums Kind endete in Angst und Gewalt

Amtsgericht : Streit ums Kind endet in Angst und Gewalt

23-jähriger Asylbewerber musste sich vor Gericht gleich wegen mehrerer Straftaten verantworten.

Wegen gleich mehrerer Straftaten wurde ein Mann aus Leverkusen vor dem Amtsgericht angeklagt. Betroffen sollen seine Ex-Freundin und ein Autokäufer gewesen sein. Diese soll er körperlich angegriffen und genötigt haben, in einem Fall wurde ihm gar räuberische Erpressung vorgeworfen. Die stundenlange Verhandlung warf zwischenzeitlich mehr Fragen auf, als sie beantworten konnte. Am Ende gab es ein klares Urteil.

Am 5. November 2018 soll der 23-jährige Asylbewerber laut Anklageschrift seine Ex-Freundin vor einer Asylunterkunft angegriffen haben. Dabei ging der Streit um das gemeinsame Kind und dessen Lebensverhältnisse. Der Mann wollte 50 Euro von seiner E-Freundin haben. Rund ein halbes Jahr später soll er der Frau  gedroht haben, sie zu überfahren, angeblich weil sie ihm seit einigen Jahren den Umgang mit der gemeinsamen Tochter verweigert.

Der 23-Jährige bestreitet die Tatvorwürfe. „Die hasst mich, die hasst mich einfach“, führte er als Begründung an. Außerdem gehe er arbeiten, mit ihr um Geld zu streiten, habe er nicht nötig. Das Verhalten seiner Ex gegenüber, das ihm vorgeworfen werde, schmälere seine Aussichten, seine Tochter sehen zu können. Für ihn, so betonte er, mache das keinen Sinn.

Die Geschädigte zeichnete ein völlig anderes Bild. Sie versicherte mehrfach, sie habe Angst vor dem Mann. Die Verteidigung versuchte deutlich zu machen, dass die 20-Jährige nicht in der Lage sei, für das Kind zu sorgen. Und dass es daraufhin im Affekt zu der Auseinandersetzung gekommen sei.

Tatsächlich bestätigte eine Flüchtlingshelferin, dass sie anfangs das Wohl des Kindes in Gefahr gesehen habe. In einer Einrichtung für Mutter und Kind werde der Frau  aber nun geholfen. Eine weitere Zeugin stützte diese Angaben, indem sie versicherte, der kleinen Tochter gehe es gut.

Darüber hinaus hatte sich der Beschuldigte laut Anklage in zwei Fällen mit einem Pkw im Verkehr bewegt ohne die gültige Fahrerlaubnis zu besitzen. Seinen Wagen verkaufte er kurz darauf für wenig Geld an einen 19-Jährigen. Der hatte ihm die ausgemachten 300 Euro am Monatsende allerdings nicht zahlen können.

Als Pfand hinterließ ihm der Käufer zwei Uhren und Silberarmbänder der Eltern. Als dies dem Beschuldigten nicht ausreichte, habe der 19-Jährige dem Angeklagten freiwillig seine Jacke überlassen. In der Anklageschrift steht es anders: Der Angeklagte habe ihm die Jacke unter Androhung von Gewalt abgenommen.

Das, versicherte der Jugendliche dem Gericht, sei nicht der Fall gewesen. Den Blick richtete er dabei stets zum Boden. Ob er Angst habe, wollte die Staatsanwaltschaft wissen. Er verneinte. Doch kaum war die Beweisaufnahme  geschlossen, da betrat der Jugendliche mit Tränen in den Augen erneut den Gerichtssaal. Er sei von dem  Angeklagten bedroht worden. „Ich bin zuerst weggelaufen, aber er war schneller als ich“, sagte der junge Mann.

Das Gericht glaubte dem Zeugen und verurteilte den 23-Jährigen wegen dreifacher Nötigung (ein Versuch, einmal in Tateinheit mit Körperverletzung) und Fahren ohne Führerschein zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Hinzu kommt eine Geldstrafe von insgesamt 1000 Euro.

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