Ampelschaltung bremst Fußballfans rund die BayArena aus

Verkehrslenkung : Ampelschaltung bremst Fußballfans aus

Autofahrer wundern sich. Bei Heimspielen in der BayArena kommt es regelmäßig zu künstlich provozieren Staus.

Wenn samstags in der BayArena der Fußball rollen soll, steht vorher erst einmal der Autoverkehr oft still. Auf der Rathenaustraße sorgt die Stadt rund zwei Stunden für künstliche Staus, damit Autofahrer schneller die angrenzende Stadtpark-Siedlung verlassen können. Darunter müssen dann tausende Besucher der Stadtmitte leiden. Die Maßnahme gehört zum städtischen Verkehrskonzept „Fußball“, das laut Stadt zur Hauptanreisezeit der Stadionbesucher für „einigermaßen guten Verkehrsfluss“ soll. Am Samstag, vor dem Spiel Bayer 04 gegen Bayern München, bildeten sich lange Stop-and-Go-Schlangen zwischen Busbahnhof Wiesdorf und Haberstraße und in der Gegenrichtung von Finanzamt bis Haberstraße. Unsere Redaktion hat bei der Stadt nach den Gründen für die sehr spezielle Verkehrslenkung an dieser hochfrequentierten Stelle gefragt.

Das Verkehrskonzept „Fußball“ wurde 2012 festgelegt, vom Stadtrat genehmigt und seitdem mehrfach aktualisiert. Stadt, Feuerwehr, Polizei, Wupsi und Bayer 04 haben daran mitgewirkt. Zudem ließ sich die Stadt von Mitarbeitern der Technischen Hochschule Aachen beraten. Es handelt sich um ein komplexes Regelwerk aus Sperrungen zum Schutz der Besucher am Stadion und der stadionnahen Siedlungen, Durchlassorten für Anwohner, aus geänderten Ampelschaltungen mit vielen Grünphasen für die Fußballbesucher. Gerade die „feste“ Ampelschaltung an der Fußgängerampel Haber-/Rathenaustraße sorgt bei Autofahrern regelmäßig für Verwunderung: Die Ampel springt ab zwei Stunden vor dem Spiel alle 55 Sekunden automatisch auf Rot. Fußgänger haben 15 Sekunden Grün, danach gibt es für die Autofahrer 40 Sekunden Grün, bevor die Ampel für diese Hauptroute Richtung City wieder Rot zeigt – egal ob ein Fußgänger rüber will oder nicht. Grund für die Regel: Durch die Rotphase entstehe eine Lücke im Verkehr, die es Autofahrern ermögliche, die angrenzende Stadtpark-Siedlung über die Straße Am Stadtpark (500 Meter entfernt in Höhe Realschule) zu verlassen. Nur dort und an der Bismarckstraße gehe dies, alle anderen Seitenstraße seien zu Fußballzeiten gesperrt. Eine Zählung, wieviele Fahrzeuge aus der Stadtparkstraße tatsächlich diese Lücke benötigen, gibt es bei der Stadt nicht. Die Experten setzen auf Erfahrungswerte. Aber nur bei Spitzenspielen staue sich der Verkehr auf der Rathenaustraße weiter zurück, höchstens bis zum Konrad-Adenauer-Platz, teilte die Stadt mit. Für den vergangenen Samstag stimmte dies nach Beobachtung unserer Redaktion nicht: Es gab Stop-and-Go auf der Stixchesstraße und auf der Gustav-Heinemann-Straße bis zum Finanzamt und damit ausgerechnet auch im Bereich der Schadstoff-Messanlage nahe A3-Autobahnbrücke. Die gemessenen Werte, die öffentlich im Internet einsehbar sind, schossen dann auch für Stunden in die Höhe. Die städtischen Umweltfachleute bestätigten dies, für den Jahresmittelwert (Grenze für Diesel-Verbot) sei keine Verschlechterung zu erwarten.

Die festen Rot-Grün-Phasen an der Haberstraße haben nach Stadtansicht sogar eine Verbesserung für den Verkehr auf der Rathenaustraße gebracht: Früher hätten vor Spielbeginn viele Fußgänger die Fußgängerampel quasi im Dauerbetrieb genutzt. „Durch die ständige Anforderung von Fußgängern (Grünphasen) kam der Verkehr oftmals zwischen dem Adenauer-Platz und ,Am Stadtpark‘ komplett zum Erliegen“, teilte die Stadt mit. Auch deshalb werde nun zwei Stunden vor Spielbeginn eine feste Taktung gewählt.

Das „Verkehrskonzept BayArena“ wurde mit der Stadtratsvorlage-Nr. 1629/2012 vom Rat am 25. Juni 2012 mehrheitlich beschlossen. Es ist im Ratsinformationssystem einsehbar, einschließlich der Zeichnungen, wo und wann Straßen bei Fußballspielen gesperrt werden:

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