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Leverkusen: Ambulante Hilfe, wenn die Seele leidet

Leverkusen : Ambulante Hilfe, wenn die Seele leidet

In einem neuen Kooperationsmodell bieten das Sozialpsychiatrische Zentrum und drei Krankenkassen vor Ort ambulante Hilfe für psychisch Kranke an. Es gibt persönliche Betreuer und eine 24-Stunden-Krisenbereitschaft.

Immer mehr Menschen leiden auch in Leverkusen an psychischen Erkrankungen. 270 Patienten alleine der örtlichen Techniker Krankenkasse mussten im vergangenen Jahr in psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhäusern behandelt werden. Generell sollen etwa zwei Prozent der Bevölkerung, das sind etwa 5000 Leverkusener, psychisch erkrankt sein. Im akuten Fall werden psychisch Kranke ins Hospital gebracht, mit Medikamenten eingestellt und bestenfalls noch mit einer Verhaltenstherapie behandelt. Aber was geschieht nach der Entlassung aus dem Krankenhaus?

Viele psychisch Kranke fallen, wieder alleingelassen in ihrer häuslichen Umgebung, in ein tiefes Loch. Eine ambulante Therapie bei einem Psychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten zu bekommen, fällt schwer. Termine gibt es, wenn überhaupt, nur nach langen Wartezeiten: Diese Misere hat jetzt den Anlass für den Aufbau einer 24-Stunden-Krisenbereitschaft im Sozialpsychiatrischen Zentrum (SPZ) Leverkusen gegeben. In Kooperation mit der Techniker Krankenkasse, der Allgemeinen Ortskrankenkasse und der Kaufmännischen Krankenkasse können sich dort nun die Versicherten ambulant beraten und weiter helfen lassen. Bereits 55 psychisch kranke Patienten betreut das SPZ seit Oktober im Rahmen dieser neuen Kooperation mit den drei Kassen, elf weitere haben ihr Interesse angemeldet: "Wir können unser Team mit wachsendem Bedarf beliebig ausweiten", verspricht SPZ-Projektleiterin Rita Apke.

Bis dato können sich allerdings nur die bei TK, AOK und KKH Versicherten zur ambulanten Weiterbetreuung beim SPZ melden. "Wir sind aber in Gesprächen mit den übrigen Krankenkassen vor Ort", sagt Ulrich Adler von der TK NRW. Das ambulante Betreuungsmodell für psychisch Kranke vermittelt jedem Patienten einen festen, fachlich versierten Ansprechpartner aus dem SPZ. Es gibt eine 24-Stunden-Hotline und einen Rückzugsraum, wo beispielsweise Krisengespräche geführt werden können. Die SPZ-Mitarbeiter kommen aber auch zu den Patienten nach Hause. Sie ebnen depressiven Menschen, die aus eigenem Antrieb kaum den Weg zu einer ambulanten Therapie finden könnten, auch die Kontakte zu den entsprechenden Ärzten. Vermieden werden soll durch dieses Modell, das es bereits in 13 Regionen in NRW gibt, der sogenannte Drehtür-Effekt. Denn wenn psychisch Kranke nach der Entlassung aus stationärer Behandlung keine ambulante Hilfe finden, dann bleibt ihnen zumeist nur wiederum die Klinik, sie finden aber nicht in ein geregeltes Alltagsleben zurück: So schildert Adler den Teufelskreis, der schließlich einen erheblichen Kostenapparat nach sich ziehe.

(RP)