Amateurfunker sind seit 70 Jahren in Leverkusen auf Sendung

Bewährte Technik : Amateurfunker sind seit 70 Jahren auf Sendung

Der Ortsverein bemüht sich, auch junge Leute für die bewährte Technik zu begeistern. Manche finden so auch den Einstieg in den Beruf.

Ein rundes Jubiläum feierte nun der Ortsverein (OV) der Amateurfunker. Seit 70 Jahren tüfteln und funken Technikfans aus Leverkusen um die ganze Welt; zuletzt auch – mit Schülern des Werner-Heisenberg-Gymnasiums – bis zur Internationalen Weltraumstation. Eine nette Spielerei eines ansonsten obsoleten Hobbys? Weit gefehlt. In Zeiten von Smartphone, Whatsapp und Internettelefonie scheint der Kommunikationsweg der Amateurfunker für den Endverbraucher weit hergebracht.

Warum sollte eine Privatperson den Aufwand auf sich nehmen, eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur abzulegen um eine Funklizenz zu erhalten, um damit um die Welt funken zu dürfen, wenn es doch über Knopfdruck auf dem Smartphone (auch ohne Lizenz) unkomplizierter geht? Ein wesentlicher Grund dafür ist die Leidenschaft der Amateurfunker für Technik und Kommunikation. Denn jene, die eine Lizenz besitzen, dürfen auch selber Funkgeräte bauen.

Warum Amateurfunker jedoch einen wichtigeren Stellenwert in der Gesellschaft verdienen, ist jedoch die Tatsache, dass sie im Notfall, wenn Strom und Netzwerke ausfallen, Handys und Internet nicht mehr klappen, die einzigen sein werden, die die Kommunikation über Funk aufrechterhalten können.

Ein solches Szenario wolle sich niemand vorstellen, bemerkte Oberbürgermeister Uwe Richrath, der zum Gratulieren vorbeikam. „Wir sind angreifbar, wir leben technisch hoch frisiert, aber auch in einer extremen Abhängigkeit.“ Dass sich die Amateurfunker auch der Jugendarbeit verschreiben, bedeute der Stadt viel, denn wichtiges Wissen würde weitergegeben.

Amateurfunker hätten nach dem Zweiten Weltkrieg viel dazu beigetragen, die Gesellschaft wiederaufzubauen und den technischen Fortschritt zu entwickeln, sagte OV-Vorsitzender Georg Westbeld bei seiner Festansprache. „Die Leute wollten etwas entwickeln und ins Leben rufen und dadurch wurde der Amateurfunkdienst eines der wichtigsten Instrumente überhaupt.“ Um die Jugend für das Hobby zu begeistern, betonte Westbeld, sei es nötig, aktuelle Medien und Möglichkeiten einzubeziehen.

So beschäftigen sich die rund 130 Mitglieder im Ortsverein Leverkusen, davon 14 in der Jugendgruppe, nicht nur mit dem Löten von Bausätzen, sondern auch mit dem Programmieren. Das lockte auch den 16-jährigen Christian aus Bornheim vor dreieinhalb Jahren an. „Für Technik habe ich mich schon immer begeistert aber das Programmieren macht mir am meisten Spaß.“ Er könnte sich vorstellen einen solch technischen Beruf zu ergreifen. Seine Grundkenntnisse verdankt er den Amateurfunkern.

Über einen Baukasten auf dem Langenfelder Kinder- und Familienfest vor fast fünf Jahren kam auch Jonas (15) auf den Geschmack Amateurfunker zu werden. „Mir hatte es Spaß gemacht und ich fand die Idee interessant, mit etwas selbstgebauten Kontakt in die ganze Welt aufbauen zu können.“

Seit einem Jahr ist er lizenzierter Funker. „Um die Prüfung zu bestehen, wird einem sehr viel elektrotechnisches Know-How vermittelt. Die Prüfung für die Lizenz kommt einer Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker schon sehr nahe.“ Kontakt habe Jonas bereits nach Australien, Japan und Amerika aufgenommen.

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