Leverkusen Alvaro-Unfall: Mann unverschuldet im Visier

Leverkusen · Der schwere Unfall auf der A 1, bei dem am 22. Februar EU-Parlamentsvizepräsident Alexander Alvaro lebensgefährlich verletzt wurde, entwickelt sich für die Polizei zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Ein Toter bei Unfall auf A1
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Foto: Miserius, Uwe

Wie Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Dienstag auf Anfrage erklärte, wertet eine Ermittlungsgruppe der Polizei Köln/Leverkusen zurzeit Handydaten aus, die "zahlenmäßig in den fünfstelligen Bereich gehen".

Ein 21-jähriger Opel-Fahrer hatte bei dem Unfall zwischen Burscheid und dem Leverkusener Kreuz die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Er starb, seine Beifahrer (15 und 16 Jahre) wurden schwer verletzt. Alvaro war in den liegen gebliebenen Opel gefahren, den er offenbar zu spät gesehen hatte. Er liegt noch im Krankenhaus. Die Polizei sucht vor allem nach dem Fahrer eines schwarzen Audi A 1, der als Verursacher gilt. Dazu werden sämtliche Handynummern, die in diesem Bereich zur entsprechenden Zeit geortet worden sind, überprüft.

Die Mobilfunk-Provider hatten gemäß eines Gerichtsbeschlusses dazu die Nummern all jener Kunden an die Polizei weitergegeben, die von den Funkzellen zur Unfallzeit gespeichert worden waren. Dass die knifflige Auswertungsarbeit dabei nicht immer fehlerfrei läuft, weiß keiner besser als Andreas Schmidt. Der Leverkusener erhielt am 20. März ein Schreiben von der Polizei, er solle "im Verfahren wegen fahrlässiger Tötung bei einem Verkehrsunfall" als Zeuge gehört werden. Darunter aufgeführt: seine angebliche Mobilnummer. "Die hatte ich noch nie gesehen", sagt Schmidt empört, "und zur Unfallzeit war ich in Kur in Bad Lippspringe."

Schmidt rief "seine" angebliche Nummer an — und landete bei einer jungen Frau in Burscheid, die konsterniert klang, bevor ihr Vater das Gespräch schnell beendete. Jetzt fragt Schmidt sich: "Wie konnte ich ins Visier der Polizei geraten — geht das anderen eventuell auch so?"

Für Oberstaatsanwalt Bremer ist die Wahrscheinlichkeit groß, "dass sich jemand mit den Daten von Herrn Schmidt ein Handy erschlichen hat." Gerade bei Allerweltsnachnamen sei der Missbrauch in Telefonshops hoch. Der Leverkusener habe sich korrekt verhalten, indem er den Anhörungsbogen ausfüllte: "Jetzt haben wir Anhaltspunkte, denen wir nachgehen können." In jedem Fall sei, was Andreas Schmidt passiert sei, eine absolute Ausnahme im Ermittleralltag.

(RP/jco)